Börsenjahr 2010 - mit Wellenreiten zurück zur Normalität
"2009 war ein sehr gutes Jahr für die Kapitalmärkte. Die Rezession liegt hinter uns, 2010 erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität", erklärte Martin Bruckner, Vorstand der Allianz Investmentbank AG. Grund für diese Einschätzung seien insbesondere die aktuellen überwiegend erfreulichen Wirtschaftsindikatoren sowie die Perspektiven an den Finanzmärkten. Die wirtschaftliche Erholung setze sich fort - das Momentum ließe jedoch nach. Unternehmensergebnisse sollten in 2010 positiv ausfallen und könnten darüber hinaus angenehm überraschen.
Rezessionsjahre im historischen Vergleich
"Wir haben nach einem schwierigen Start letztlich ein sehr gutes Aktienjahr 2009 gesehen, allen voran die Emerging Markets mit 70 Prozent Performance", betont Mag. Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest KAG. Auch auf der Anleihenseite konnten überdurchschnittliche Erträge erzielt werden.
Wirft man einen Blick auf die Geschichte von Rezessionsjahren seit 1967 am Beispiel von Deutschland, so zeigt sich, dass die Kapitalmärkte eine positive Entwicklung aufwiesen: In den Rezessionsjahren 1967, 1975, 1982, 1993 und 2003, in denen das BIP zwischen 0,2 und 0,9 Prozent schrumpfte, kam es zu einer durchgängig positiven Performance des DAX, die zwischen 14,4 Prozent und 49,2 Prozent lag. Diese Entwicklungen lassen sich auch für das aktuelle Rezessionsjahr beobachten: Schätzungen gehen davon aus, dass das BIP-Wachstum für 2009 in Deutschland nahezu 5 Prozent zurückgeht, wobei der DAX bis Ende des Jahres mit knapp 20 Prozent Plus die freundliche Entwicklung an den Aktienmärkten widerspiegelt. Wirft man einen Blick auf die jeweiligen Folgejahre der Rezessionen, waren diese durchwegs von einem positiven Wirtschaftswachstum gekennzeichnet - an den Kapitalmärkten zeigte sich ein ambivalentes Bild: 1968, 1983 und 2004 kam es zu einer positiven Performance, 1976 und 1994 zu einer negativen. "Eine genaue Renditeprognose ist daher schwierig für das Gesamtjahr 2010", so Ramberger.
Allianz Bild
Aus der historischen Analyse der Performance von Aktienmärkten im Umfeld von Rezessionsjahren lässt sich ein 3-Phasen-Modell ableiten: In der ersten Phase kommt es nach dem Erreichen des Lows zu einem deutlichen Aufwärtstrend mit zweistelliger Performance an den Aktienmärkten. Die zweite Phase ist durch ein volatiles Umfeld mit vielen Unsicherheiten gekennzeichnet, was sich oftmals in Seitwärtsbewegungen manifestiert. In der dritten Phase kommt es zu einem weiteren Anstieg an den Aktienmärkten sowie zu einer Rückkehr zur
Normalität.
Diese Analyse bestätigt sich auch für das Rezessionsjahr 2009: Das Low an den Aktienmärkten wurde am 6. März 2009 erreicht, bis Ende des Jahres wird der DAX nach Schätzungen eine Performance von knapp 20 Prozent aufweisen. "Aktuell stehen wir an der Schwelle zur zweiten Phase: Die Skepsis am Markt ist hoch, das Momentum ist positiv. Wir sehen daher durchaus Potenzial für positive Überraschungen im Jahr 2010", so Ramberger. Die hohen Zuwachsraten an den Kapitalmärkten, die im zweiten Halbjahr 2009 erreicht wurden, können allerdings nicht in diesem Ausmaß in das Jahr 2010 fortgeschrieben werden. "Wachstum unter dem Trend gilt als wahrscheinlich, ein Rückfall in eine Rezession wird aber nicht erwartet", so Ramberger. Im Jahr 2010 werde ein großer Teil des globalen Wirtschaftswachstums wieder von den Emerging Markets ausgehen. Die Inflationsgefahren seien weiterhin sehr gering. Leitzinserhöhungen werden frühestens für das zweite Halbjahr 2010 erwartet, wobei ein Auflösen des quantitative easing voranschreiten werde.
Chancen für Anleger
"Wir empfehlen, Aktien gegenüber Anleihen überzugewichten", erklärte Bruckner die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal. Auf der Aktienseite rät die Allianz, Emerging Markets überzugewichten und Japan unterzugewichten. Die wirtschaftliche Situation in den Emerging Markets erscheine weiterhin sehr robust und unterstütze somit die Aktienmärkte. In Japan lässt sich die Binnenwirtschaft als äußerst schwach charakterisieren, der Yen erscheint überbewertet. In den USA und Europa ist die Allianz neutral gewichtet: In den USA winkt 2010 das stärkste Wachstum der entwickelten Länder. In Europa sind die Bewertungen relativ zu anderen Regionen günstig. Als Risken lassen sich laut Bruckner neben verfrühten Zinserhöhungen auch die Maßnahmen zur Staatsschuldenbekämpfung sowie Protektionismus charakterisieren.
Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Staatsanleihen unterzugewichten sowie Unternehmensanleihen überzugewichten. "Die Zinskurve ist weiterhin sehr steil, die Risikospreads bei Anleihen haben sich weiter eingeengt", zeigte Bruckner auf. In den USA und in Japan ist die Allianz untergewichtet: In den USA hat die Inflation gedreht, der Dollarausblick bleibt negativ, eine erste Zinserhöhung wird mittelfristig erwartet. In Japan sei das absolute Zinsniveau weiterhin unattraktiv. Für Europa sowie die Emerging Markets lautet das Anlagevotum "übergewichten": In Europa ist die Inflation weiter negativ und der Wirtschaftsausblick schwächer als in den USA. Anleihen aus den Emerging Markets verzeichneten höhere Renditen trotz besserer Qualität der Staatsbilanzen. Dabei seien Länder mit hoher Bonität zu bevorzugen. Ebenso empfiehlt die Allianz Unternehmensanleihen überzugewichten. "Das Potenzial zur Spreadeinengung bei hohen Bonitäten ist mittlerweile fast ausgeschöpft - der absolute Ertrag liegt jedoch höher", so Bruckner. Niedrigere Bonitäten weisen jedoch einen höheren laufenden Ertrag sowie weiter Potenzial für Spreadeinengung auf.
Für den Gesamtausblick auf das nächste Quartal rät die Allianz trotz allem weiterhin zur Vorsicht: "Für das Verhalten des einzelnen Anlegers empfehlen wir, sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen und die Ertragserwartungen zurückzuschrauben. Die Märkte werden sich wieder einpendeln, allerdings nicht auf dem Niveau der letzten Jahre", so Bruckner abschließend.
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
Quelle: Pressemeldung Allianz Gruppe in Österreich
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