DWS-Pressekonferenz: Marktausblick

17.02.2009 | Frankfuhrt am Main
DWS: Unternehmensanleihen werden 2009 höhere Renditen abwerfen als Staatsanleihen Aktienmarkt 2009 nichts für schwache Nerven DWS setzt auf Standardwerte und etablierte Märkte

Die Rentenmärkte befinden sich 2009 unter dem Einfluss einer weiterhin schwierigen Konjunkturlage. Nach Ansicht von Asoka Wöhrmann, Leiter des DWS-Rentenfondsmanagements, wird das laufende Jahr von Unsicherheiten geprägt sein. "Wie stark die Wirtschaft schrumpft, darüber gehen die Prognosen auseinander. Fest steht aber: Die Konjunktur wird im laufenden Jahr schwach bleiben."

Eine Konjunkturerholung erwartet Wöhrmann frühestens in der zweiten Jahreshälfte: "Im zweiten Halbjahr 2009 werden die aggressiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen Wirkung zeigen", so Wöhrmann. Die EZB wird die Zinsen weiter senken, während die amerikanische Notenbank Fed bei ihrer Nullzinspolitik bleibt. Die drastischen Maßnahmen einiger Zentralbanken dürften die Auswirkungen der Kreditklemme etwas mildern.

Der US-Dollar wird derzeit noch von der globalen Risikoaversion gestützt. Mittelfristig dürften die fundamentalen Belastungsfaktoren wieder dominieren und zu einer erneuten Abschwächung führen: defizitäre Außenhandelsbilanz, hohe Staatsverschuldung, die mit den Konjunkturpaketen neue Höhen erklimmt, und der daraus resultierende Finanzierungsbedarf. Wöhrmanns Fazit: "Der Dollar bietet für das Gesamtjahr 2009 mehr Risiken als Chancen."

Staatsanleihen erfreuen sich im Moment noch großer Nachfrage, allerdings dürften schon geringe Anzeichen einer Beruhigung der wirtschaftlichen Abwärtsdynamik genügen, um die Renditen wieder ansteigen zu lassen. Mehr Potential bieten Staatsanleihen der Eurozone-Peripherieländer wie zum Beispiel Belgien und Österreich, die jüngst kräftige Kursabschläge hinnehmen mussten, sowie Unternehmensanleihen. "Investmentgrade-Unternehmensanleihen werden derzeit gepreist als würden 30 Prozent der Papiere ausfallen", so Wöhrmann. Selektive Kaufgelegenheiten bieten sich auch bei konservativen ABS-Strukturen höchster Qualität. Wie bei Unternehmensanleihen sind die eingepreisten Ausfallraten extrem hoch, zudem haben vor allem ältere Strukturen einen erheblichen Puffer aufgebaut. Auch die Risikoprämien dürften bei diesen Titeln längerfristig wieder zurückgehen.

Die Aktienmärkte sind nach dem historischen Absturz im Jahr 2008 angeschlagen. Die hohen Prämien auf den Derivatemärkten und somit implizite Volatilitäten auf Rekordniveaus stehen für die Unsicherheit aller Marktteilnehmer. Diese Unsicherheit resultiert nicht aus einem Bewertungsproblem, wie beim Crash in den Jahren 2000 - 2001, sondern aus der Konjunkturangst. "Die Bewertung ist derzeit keine zuverlässige Orientierungsgröße. Um eine Prognose für Aktien heute geben zu können, müssen wir die Rezession und die Krise auf den Anleihemärkten analysieren", so Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung der DWS.

Nach Kaldemorgen stehen schon bald nicht mehr die Banken im Zentrum der Diskussion, sondern die Gesamtwirtschaft. "Durch die laufenden nationalen Eingriffe in das Bankensystem gehen von den Finanzinstituten keine größeren Gefahren für die Wirtschaft aus. Nun nimmt die Krise immer mehr die Züge einer generellen und umfassenden Rezession an." Zwar ist das Ende der Rezession nicht abzusehen, doch in aller Regel nehmen Aktienmärkte die Wende sechs bis neun Monate vorweg. Ein Blick auf die Wirtschaftsdaten in den USA erlaubt eine historische Einordnung der Rezession: Im Schnitt dauerten Rezessionen in den USA 17 Monate. Die aktuelle Rezession hält bereits 13 Monate an. In dieser kurzen Zeit ist der S&P-500-Index um 52 Prozent gefallen, während er bei früheren Rezessionen im Durchschnitt rund 41 Prozent gefallen ist. "Die Aktienmärkte haben das schlimmste hinter sich", glaubt Kaldemorgen. Dennoch ist eine dauerhafte Erholung der Aktienkurse derzeit nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher sind kurzlebige Kurserholungen von 15 bis 20 Prozent. Stabile Kursanstiege macht Kaldemorgen von zwei Entwicklungen abhängig: ein Ende der Abwärtsdynamik in der Wirtschaft und Entspannung auf den Märkten für Anleihen. Wenn die Aktienmärkte bei schlechten Unternehmensnachrichten nicht mehr fallen, sieht er den Wendepunkt erreicht. Dann hält der DWS-Chef sogar eine Verdoppelung der führenden Aktienindizes für möglich.

Nicht nur die Wirtschaftskrise ist in diesem Ausmaß für nahezu alle Akteure neu. Auch die gravierenden Eingriffe der Staaten und Notenbanken stellen die Anleger vor eine neue Situation. "Die Fed hat die Bilanzsumme nach oben katapultiert und zum ersten mal den jahrzehntelangen Pfad verlassen. Derzeit können wir nur ahnen, welche Folgen das haben wird", bemerkt Kaldemorgen. Wahrscheinlich ist aber, dass nicht Deflation, sondern Inflation die Anleger in naher Zukunft beschäftigen wird. Davon betroffen werden nach Kaldemorgens Einschätzung nicht die Gütermärkte, sondern die Vermögenswerte. Eine erste Indikation liefert der Goldpreis, der in Euro gemessen ein Allzeithoch verzeichnet. "Aktien und Unternehmensanleihen sollten daher geeignetere Anlagen sein, der Inflation zu entkommen, als deutsche Staatsanleihen, die im Durchschnitt derzeit nicht mehr als 2,5 Prozent Rendite bieten. Was auch für Unternehmensanleihen und Aktien spricht: Geldmarktanlagen und Einlagen bei Banken markieren Rekordstände. In den USA entsprechen sie schon etwa 40 Prozent der Gesamtmarktkapitalisierung.

Bei der Aktienanlage setzt die DWS auf solide finanzierte Standardwerte aus etablierten Aktienmärkten. "Nach dem Crash ist bei Standardunternehmen so viel Wert vorhanden, da muss man nicht auf Peripherie, Hebel und Nebenwerte setzen", sagt Kaldemorgen. Auch bei der regionalen Präferenz setzt die DWS auf etablierte Märkte: USA und Europa vor Asien.

Energie ist die favorisierte Branche der DWS. "Der Ölpreis dürfte bald wieder anziehen, da die Nachfrage nicht so stark fallen wird wie befürchtet. Zudem glänzen Energieunternehmen mit einer makellosen Bilanz und mit hohen Dividenden", so Kaldemorgen. Als defensive Beimischung setzt er auch weiterhin auf Pharma und Telekommunikation. Von den staatlichen Konjunkturprogrammen sollten nach seiner Einschätzung auch Infrastrukturunternehmen profitieren. Der Finanzsektor bleibt unter Stress. "Gerade das Eigenkapital der Banken, die auf Kapitalerhöhungen und staatliche Hilfe gesetzt haben, ist stark verwässert", stellt Kaldemorgen fest.

Für Ende 2009 erwartet die DWS bei Aktien höhere Kurse als zum Jahresanfang. Kaldemorgen: "Wenn es uns gelingt, die großen Schwankungen zu nutzen, kann am Ende des Jahres sogar eine zweistellige Rendite herauskommen."

Quelle: Pressemeldung DWS Investment GmbH

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