Finanzkrise erfordert mehr Risikomanagement
"Finanzkrise" wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres 2008 gewählt und "notleidende Banken" ist Unwort des Jahres 2008. Dies zeigt die enorme gesellschaftliche Relevanz der Folgen der Finanzkrise. Doch wie konnte es überhaupt zur aktuellen Finanzkrise kommen?
Prof. Dr. Thorsten Schmidt, Inhaber der Professur Finanzmathematik an der TU Chemnitz, widmet sich in seinen Forschungsprojekten diesem Thema und ist überzeugt, dass konsequente Anwendung von Finanzmathematik und Statistik vielfach Verluste hätte vermeiden können. Als zwei wesentliche Ursachen für die derzeitige Situation sieht er zum einen mangelnde Daten für die Bewertung zentraler Finanzinstrumente und zum anderen die Komplexität der gehandelten Produkte. Ein Risikomangement solcher Produkte sei nicht unmöglich. Eine zentrale Rolle spielen dabei so genannte CDOs (Collateralized Debt Obligations), die auf einem Pool von Krediten basieren. Die Komplexität dieser Finanzinstrumente macht Risikoabschätzungen schwierig und die kurze Existenz führt außerdem noch zu starken Schwankungen in der Bewertung. Neben der Zuverlässigkeitsprüfung von Ratings muss das Risikomanagement der Banken in dieser Hinsicht verbessert und die Qualität von verwendeten Informationen (gerade etwa Ratings) zwingend berücksichtigt werden, so die Empfehlung von Prof. Schmidt.
Was erwartet die Finanzmathematiker?
"Die Schlussfolgerung aus der Krise muss verbessertes Risikomanagement sein", so äußert sich Schmidt. Zur Veranschaulichung zitiert er eine Analogie seines amerikanischen Kollegen Steven Shreve von der Carnegie Mellon University. Dieser verglich die aktuellen Geschehnisse auf dem Finanzmarkt mit dem Zusammenbruch einer Brücke: "Because this bridge will be rebuilt, the way out of our present dilemma is not to blame the quants. We must instead hire good ones - and listen to them." Nach dem Zusammenbruch sei es widersinnig, die Architektur zu verdammen und die Brücke durch langsamere, weniger effiziente Fähren zu ersetzen. Vielmehr sollte sie verbessert wieder aufgebaut werden. Als Konsequenz sieht Schmidt, dass "Finanzmathematiker durch die Finanzkrise nicht aus ihren Jobs verdrängt werden, sondern vermehrt gesucht und gebraucht werden." Es sei dabei nicht nur wichtig, dass sich die Absolventen seines Studiengangs in den Bereichen Finanzmathematik, Statistik sowie Wirtschaftswissenschaften bestens auskennen. Dem Aspekt der Kommunikation und Interaktion komme ebenfalls eine hohe Bedeutung zu.
Quelle: Pressemeldung Technische Universität Chemnitz
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