Inflationsrisiken als Folge der Finanzkrise - eine differenzierte Sicht
Die drastischen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen, mit welchen die Notenbanken und Finanzminsterien auf die globale Finanzkrise reagierten, haben in weiten Kreisen Befürchtungen über mögliche inflationäre Folgen geweckt. In der aktuellen Ausgabe des Global Investor kommen die Analysten der Credit Suisse zum Schluss, dass derartige Risiken in den meisten Industrieländern vorläufig noch gering sind. Hingegen steigen die Inflationsrisiken in den Schwellenländern rasch an, da diese zwar wesentlich robustere Wachstumsgrundlagen haben, jedoch ihre Wirtschaftspolitik im Gleichklang mit den von der Krise am stärksten betroffenen Ländern gelockert haben und nur zögerlich wieder straffen.
Ein mechanisches Gleichsetzen der teilweise massiven Ausweitung der Notenbankbilanz mit potenziellen Inflationsfolgen, wie dies insbesondere in den USA beobachtet werden konnte, wird von den Analysten der Credit Suisse als zu vereinfachend taxiert. Die schwerwiegenden Vermögensverluste, der tiefe Einbruch am US-Arbeitsmarkt und die Schwäche des Bankensystems deuten auf eine eher zögerliche Erholung der privaten Nachfrage hin. Auch angesichts der noch geringen Kapazitätsauslastung erscheint das Inflationsrisiko deshalb noch tief. In Kontinentaleuropa wie auch in Japan werden die Inflationsrisiken als noch geringer erachtet, in Grossbritannien wie auch in den rasch wachsenden Rohstoff-exportierenden Ländern wie Australien hingegen als höher. Hier ist allerdings bereits eine geldpolitische Verknappung eingeleitet worden, welche das Inflationsrisiko mittelfristig beschränken sollte. Für die Schweiz ist das Inflationsrisiko als strukturell tief einzuschätzen. Das erwartete Abrücken der Schweizerischen Nationalbank von ihrer Bekämpfung der Frankenaufwertung sollte das Risiko zusätzlich begrenzen. Allerdings sind in der Schweiz als Folge der anhaltend tiefen Zinsen erste #Überhitzungszeichen am Immobilienmarkt auszumachen.
Zu lockere Wirtschaftspolitik erhöht Inflationsrisiko in den Schwellenländern
Im Gefolge der Finanzkrise haben die meisten Schwellenländer ihre Geld- und Fiskalpolitik stark gelockert und damit die Binnennachfrage stimuliert. China und in geringerem Masse einige andere asiatische Schwellenländer haben seither ihre Währung eng an den US-Dollar gekoppelt. Damit "importieren" sie eine Geldpolitik, welche auf die Stützung einer von der Krise stark betroffenen, nicht jedoch auf eine strukturell starke Wirtschaft ausgerichtet ist. Entsprechend mehren sich in diversen Schwellenländern Zeichen einer konjunkturellen Überhitzung, und die Inflation zieht bereits an. Im Immobilienbereich sind diese Zeichen besonders auffällig. Um diese Entwicklung zu bekämpfen, sind eine Straffung der Geld- und Währungspolitik und eine weitere Verschiebung von der Aussen- zur Binnenachfrage nötig.
Mögliche Rückkoppelungseffekte als Folge steigender Rohstoffpreise
Eine der Begleiterscheinungen des starken Wachstums in den Schwellenländern könnte ein noch stärkeres Anziehen der globalen Rohstoffpreise sein. Diese Entwicklung würde einige Schwellenländer selbst besonders stark betreffen, da hier das Gewicht von Rohstoffen in der Produktion und im Konsum stärker als in den Industrieländern ist. Auch diese wären jedoch - in unterschiedlichem Mass - davon betroffen. Wie in der Phase vor der Finanzkrise würde dies nicht unbedingt den Trend der Inflation erhöhen, jedoch deren Volatilität und damit die Unsicherheit über die Preisentwicklung verstärken.
Inflationierung von Staatsschulden ist unwahrscheinlich
Eine der Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise ist eine weitere Verschärfung der Ungleichgewichte in den Staatshaushalten vieler Industrieländer und ein entsprechendes Hochschnellen der Staatsschulden. Die Analysten der Credit Suisse erachten es zwar als unwahrscheinlich, dass die Notenbanken zur Inflationierung dieser Staatschulden Hand bieten werden. Sowohl die Unabhängigkeit der Zentralbanken wie auch die auf eine derartige Politik unweigerlich folgende Gegenreaktion der Finanzmärkte reduzieren dieses Risiko. Allerdings ist zu beachten, dass der massive Anstieg der Staatsschulden die Gestaltung der "Exit-Strategie" von Notenbanken zusätzlich erschwert. Dies könnte sich in einer erhöhten Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs und eine damit einhergehende Erhöhung der Volatilität an den Finanzmärkten niederschlagen.
Überprüfung und Anpassung von Portfoliostrukturen für Anleger
Der Global Investor präsentiert eine Analyse der Sensitivität diverser Anlageklassen gegenüber Inflations- sowie Wachstumsrisiken und befasst sich des weiteren mit den Implikationen, die sich für Anleger aus den potentiellen Inflationsrisiken ergeben. Es wird aufgezeigt, wie Anleger ihre Portfoliostrukturen angesichts einer erhöhten Inflationsunsicherheit optimieren können. Eine Überprüfung der Portfoliostrukturen und eine moderate Erhöhung der Investitionen in reale Werte empfiehlt sich bei den meisten Anlegern. Eine allzu starke Portfolioumlagerung würde allerdings einen vermeintlichen Inflationsschutz auf Kosten erhöhter Gesamtrisiken für das Portfolio bedeuten.
Ausserdem im Global Investor:
- Diskutieren Vertreter diverser Notenbanken, unter anderem der Schweizerischen Nationalbank, in einem virtuellen Podiumsgespräch über aktuelle geld- und stabilitätspolitische Herausforderungen.
- Warnt der Historiker Harold James in seinem Beitrag vor möglichen durch die Finanzkrise provozierten Angriffen auf die Autonomie der Notenbanken und einer potenziellen "Verpolitisierung" der Geldpolitik.
Quelle: Pressemeldung Credit Suisse
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