Vor 50 Jahren: Deutsche Bank emittiert erste Fremdwährungsanleihe in der Bundesrepublik
In der Weimarer Republik hatten öffentliche wie private Emittenten solche Anleihen intensiv genutzt, um ausländisches Kapital vor allem aus den USA nach Deutschland zu bringen. Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Spätherbst 1929 versiegte dieser Kapitalzufluss. Die internationalen Gläubiger zogen kurzfristige Gelder ab. Die deutsche Zahlungsbilanz, die auf den Zufluss ausländischen Kapitals angewiesen war, geriet in Schieflage. Um weitere Abflüsse zu verhindern, erließ die Reichsregierung im Sommer 1931 strenge Devisenbeschränkungen. Davon betroffen waren auch die Zins- und Tilgungszahlungen der Auslandsanleihen, deren Neuemission dadurch völlig zum Erliegen kam. Was als kurzfristige Notmaßnahme gedacht war, hatte mehr als ein Vierteljahrhundert Bestand. Erst seit den frühen 1950er Jahren wurden die Devisenbestimmungen allmählich gelockert und damit die Grundvoraussetzungen für die Neuemission von Auslandsanleihen auf dem deutschen Kapitalmarkt geschaffen.
Im Juli 1957 wurde der Deutschen Bank von der Banque Lambert in Brüssel eine Beteiligung an einer geplanten internationalen Anleihe über 25 Millionen US-Dollar der belgischen Petrofina S.A. angeboten, eine der wenigen multinationalen Holdinggruppen der damaligen Zeit. Das Unternehmen war 1920 als Compagnie Financière Belge des Pétroles gegründet worden, hatte seinen Namen aber bald in Petrofina geändert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs das Unternehmen dynamisch. Zum Zeitpunkt der Emission war Petrofina bereits in zehn europäischen Ländern vertreten, u.a. in der Bundesrepublik mit einer Vertriebsgesellschaft und der Mehrheitsbeteiligung an einer Ölraffinerie. Durch zwei Fusionen - 1999 mit Total und 2000 mit Elf Aquitaine - wurde sie zu einem der größten Ölkonzerne der Welt, der seit 2003 den Namen Total führt.
Unter der Voraussetzung, in Deutschland die alleinige Führung zu übernehmen und die Anleihe zur öffentlichen Zeichnung anbieten zu können, akzeptierte die Deutsche Bank die Einladung zur Emission. Außer in Deutschland wurde die Anleihe auch in Belgien, Holland, Kanada und der Schweiz verkauft. War für Deutschland ursprünglich nur ein Anteil von 2 Millionen US-Dollar vorgesehen, so wurde dieser schließlich auf 5 Millionen US-Dollar erhöht. Aufgrund dieser höheren Tranche wurde in das deutsche Begebungskonsortium unter Führung der Deutschen Bank auch die Commerzbank und die Dresdner Bank aufgenommen.
Die Einführung der Petrofina-Anleihe in Deutschland war ein großer Erfolg, obwohl der Zinssatz von 5 ½ Prozent angesichts deutlich höherer Zinsen für D-Mark-Anleihen kaum attraktiv erschien. Dennoch waren alle US-Dollar-Teilschuldverschreibungen am 10. September 1957 innerhalb weniger Stunden untergebracht. Hauptabnehmer waren mit rund 2,89 Millionen US-Dollar Kreditinstitute, gefolgt von Privatpersonen, die Schuldverschreibungen über 1,43 Millionen US-Dollar zeichneten, und sonstigen Wirtschaftsunternehmen, die 0,69 Millionen US-Dollar übernahmen.
Vor dem Hintergrund heutiger Anleihe-Größen mag das damaligen Emissionsvolumen sehr bescheiden anmuten, doch für die Wiedereingliederung der Bundesrepublik und ihres führenden Kreditsinstituts in die internationalen Finanzbeziehungen war die erste Fremdwährungsanleihe nach einer Unterbrechung von einem Vierteljahrhundert ein wichtiger Meilenstein.
Quelle: Pressemeldung Deutsche Bank AG
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