Begriffserklärung: Alles zur Niedrigzinsphase

Seit mehr als einem Jahrzehnt hält die Niedrigzinspolitik der Notenbanken an. Was zu den wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung der Stabilität der Finanzmärkte im Rahmen der Finanzkrise zählte, hat sich längst zum Dauerzustand entwickelt. Doch was bedeutet das für Anleger?

Vertrauensbildung durch Niedrigzinspolitik

Das Vertrauen in die Geldmärkte war mit dem Zusammenbruch der amerikanischen Immobilienblase 2007 und der folgenden generellen Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2008 stark erschüttert. Die Regierungen und Notenbanken der wichtigsten Länder wussten, dass sie das Wirtschaftswachstum nur dann vor der Rezession retten konnten, wenn sie an der Zinsschraube drehten. Folgerichtig reduzierten sowohl die US-Notenbank FED als auch die Europäische Zentralbank EZB sukzessive die Leitzinsen.

Eine nie dagewesene Niedrigzinspolitik sollte dafür sorgen, dass die Kreditvergabe an Unternehmen, Banken und Verbraucher deutlich günstiger wurde und als Anreiz dazu dienen, die Konjunktur anzukurbeln. Das Ansteigen der Inflation sollte durch diese Geldpolitik ebenfalls begrenzt werden. Beides hat mehr oder weniger gut funktioniert, wenngleich vor allem private Verbraucher von den sehr günstigen Kreditbedingungen nur begrenzt profitieren.

So liegen die Zinsen für Dispokredite, Kreditkarten und manche Verbraucherkredite immer noch deutlich über 10 Prozent, während die Banken und Kreditinstitute ihr Geld von der Zentralbank quasi zum Nulltarif borgen können. Bemerkbar gemacht hat sich die Niedrigzinsphase hingegen durchaus bei der Baufinanzierung – selten war es so günstig, einen Hausbau zu finanzieren oder bestehende Finanzierungen zu günstigeren Zinsen umzuschichten.

Bemerkbar gemacht hat sich die Niedrigzinsphase hingegen durchaus bei der Baufinanzierung – selten war es so günstig, einen Hausbau zu finanzieren oder bestehende Finanzierungen zu günstigeren Zinsen umzuschichten.

Bemerkbar gemacht hat sich die Niedrigzinsphase hingegen durchaus bei der Baufinanzierung – selten war es so günstig, einen Hausbau zu finanzieren oder bestehende Finanzierungen zu günstigeren Zinsen umzuschichten. (#01)

Begriffserklärung nach dem Lehrbuch bringt Verbraucher und Anleger nicht weiter

Wer nach der Begriffserklärung für die Niedrigzinsphase nach dem Lehrbuch sucht, wird auf Formulierungen wie diese stoßen:

„Die Zins- und Geldpolitik eines Landes oder eines Währungsraumes wird durch die zuständige Zentralbank gesteuert. Wird der Leitzins, nach dem sich alle Zinsentwicklungen mehr oder weniger stark ausrichten, auf ein sehr niedriges Niveau abgesenkt, soll damit die Konjunktur angekurbelt werden.

Durch den Wegfall hoher Zinsen sinken die Finanzierungskosten für die Aufnahme von Krediten, wodurch die Konjunktur angekurbelt werden soll. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen und staatliche Akteure können durch die geringere Zinslast schneller und umfangreicher Investitionen tätigen.“

Doch die Begriffserklärung bringt die meisten Verbraucher und Anleger nicht weiter, die sich darüber Gedanken machen, was aus ihrem Ersparten wird. Denn gerade deutsche Sparer und Anleger zählen aufgrund der höchsten Sparquote in der Eurozone zu den Verlierern der Niedrigzinspolitik.

Wie wirkt die Niedrigzinspolitik auf den Konsum?

Zunächst senkt die Zentralbank den Leitzins (im englischen Sprachraum wird die Begriffserklärung auch „Prime Rate“ genannt). Banken und andere Finanzinstitute können dadurch sehr günstig zusätzlich Geld aufnehmen, sofern ihre Bonität entsprechend gut eingestuft ist. Das nennt man Refinanzierung.

Aufgrund der starken Wettbewerbssituation am Geldmarkt und der Markttransparenz schlagen die niedrigen Leitzinsen auch auf die klassische Geldanlage und viele Kreditarten durch. Was den Kreditnehmer freut, weil er mehr Geld zum Ausgeben und Investieren zur Verfügung hat, ärgert den Anleger, weil die Zinsen für Geldanlagen umgekehrt natürlich ebenfalls sinken.

Insbesondere Sparguthaben, die in Deutschland noch immer den größten Teil der privaten Geldanlage ausmachen, werden immer weniger wert, weil die niedrigen Zinsen (zum Teil sogar nahe Null) nicht nur keinen Gewinn mehr bringen, sondern nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen können. Wer also sein Geld auf dem Sparbuch parkt, vermehrt sein Vermögen nicht und verliert es sogar auf Dauer gesehen.

Gekrönt wird diese Entwicklung durch die Absichten mancher Banken, von Sparern sogar „negative“ Zinsen – also im Prinzip Strafgebühren – für die Geldanlage zu verlangen, wodurch man kaum noch von einer Anlage sprechen kann. Doch auch das ist bei der Geldpolitik einberechnet, denn Verbraucher, die für ihr Erspartes keine Rendite mehr erwarten können, werden das Geld lieber in Konsumgüter investieren und somit das Wirtschaftswachstum befördern.

Von einer echten Enteignung der Sparer ist mancherorts sogar die Rede.

Von einer echten Enteignung der Sparer ist mancherorts sogar die Rede. (#02)

Langfristige Nachteile durch die Niedrigzinsphase

Die Maßnahmen, die zum Fortbestehen der Niedrigzinsphase geführt haben, sind volkswirtschaftlich kritisch zu sehen, denn die negativen Folgen der langfristigen Zinssenkung überwiegen nach Meinung mancher Fachleute die positiven Effekte auf die Wirtschaft, die irgendwann verpufft sind. Von einer echten Enteignung der Sparer ist mancherorts sogar die Rede.

Für die staatlichen Ausgaben und Haushalte in Bund, Ländern und Gemeinden ist die Niedrigzinsphase hingegen ein Segen, denn nur so können Schulden sukzessive weiter abgebaut werden. Die Abwägung, welche Interessen überwiegen, ist also für die Verantwortlichen in der Eurozone und anderen Wirtschaftsräumen durchaus nicht einfach zu treffen.

Wo bekommt man noch eine vernünftige Rendite?

Keiner kann die Zukunft vorhersagen. Noch 2018 erwarteten viele aufgrund der Forderung nach einer neuen Geldpolitik von US-Präsident Trump, dass die US-Notenbank mitziehen und die Zinsen wieder anheben würde. Doch eine nachhaltige Abkehr von der Niedrigzinsphase ist ausgeblieben, woran die EZB für den Euroraum ebenfalls nichts geändert hat.

Ob die niedrigen Zinsen uns tatsächlich noch mehrere Jahrzehnte erhalten bleiben, wie einige Fachleute spekulieren, oder ob eine Zinswende in einigen Jahren doch noch kommt, lässt sich seriös nicht vorhersagen. Die auf Sicherheit bedachten deutschen Sparer und Anleger müssen sich also langsam überlegen, wie sie ihre Mittel für Alterssicherung und andere Sparziele besser verwalten, um überhaupt noch eine Rendite zu erzielen.

Der Aktienmarkt gilt allgemein als zuverlässige, wenngleich fragile Stelle, um kurz- wie langfristig Gewinne erzielen zu können. Allerdings hat die Börse für viele Sparer schlicht und einfach den Ruf des Glücksspiels und Zockens. Waren es nicht Spekulationen an der Börse durch Investment-Banker, die den Absturz der Wirtschaft überhaupt erst verursacht haben?

Die Begriffserklärung der Aktienmärkte ist in den meisten Durchschnittsköpfen nicht wirklich verankert. Tatsächlich gibt es mittlerweile viele seriöse Wege, langfristig auf die Geldanlage an der Börse zu setzen, ohne allzu große Risiken einzugehen. Breite Streuung des Risikos und die Investition in seriöse Fonds sind nach Ansicht der meisten Experten die richtige Methode, langfristige Gewinne zu erzielen.

Das Zauberwort dabei ist langfristig, denn kurzfristig können auch Verluste auftreten, von denen sich die meisten Aktienwerte in der Regel aber wieder erholen. Bei Fonds ist entscheidend, dass man eben nicht nur auf eine Aktie „wettet“, sondern auf die Entwicklung eines ganzen Bündels von Aktien oder des gesamten Aktienindex wie dem DAX setzt.

Da sowohl Pensionen als auch Lebensversicherungen in Zukunft kaum noch attraktiv für die Geldanleger sind, sollte zumindest ein Teil der Alterssicherung durchaus auch an der Börse investiert werden.

Wichtige Voraussetzungen dafür sind jedoch:

  • Keine Investitionen in Einzelwerte
  • Absicherung durch breite Streuung (z. B. Investition in seriöse Fonds)
  • Langfristig denken: Kurzfristige Spekulationen bergen hohes Risiko
  • Nur geeignet, wenn man die investierten Gelder langfristig entbehren kann
  • Niemals für die Investition an der Börse Kredite aufnehmen

Beim Sparen mit Aktien reden wir also in der Regel über mehrere Jahrzehnte. In den vergangenen Jahrzehnten war die langfristige Entwicklung an den Aktienmärkten tatsächlich positiv, selbst wenn es zwischendurch immer wieder starke Abstürze gab. In diesen Situationen ist es wichtig, nicht in Panik zu verfallen und durchzuhalten.

Ein Zahlenvergleich hinsichtlich der Rendite zeigt, wie attraktiv Aktien im Vergleich zum klassischen Sparen sein können:

  • Investiert ein 40jähriger Mann jeden Monat 100 Euro in eine übliche Rentenversicherung, bleibt ihm nach 30 Jahren Laufzeit eine Monatsrente von 160 Euro
  • Investiert ein 40jähriger Mann jeden Monat 100 Euro in ein global gestreutes Portfolio an Aktienwerten, ergibt sich ein geschätzter Monatsbetrag für die Rente von über 290 Euro
  • Die Durchschnittsrendite von Aktien beträgt inklusive zwischenzeitlichen Kursverlusten mindestens 6 Prozent bei vergleichsweise geringen Risiken
Beim Sparen mit Aktien reden wir also in der Regel über mehrere Jahrzehnte.

Beim Sparen mit Aktien reden wir also in der Regel über mehrere Jahrzehnte. (#03)

Fazit: Wichtiger als die Begriffserklärung sind die Auswirkungen der Niedrigzinsphase

In vielen anderen Ländern gehört die Investition in Aktien für die meisten Verbraucher zum Alltag, weswegen die Berührungsängste geringer sind. Wählt man ein risikoarmes Anlagemodell wie das obige und lässt wirklich einige Jahrzehnte die Finger vom Depot, ist diese Form der Geldanlage im Durchschnitt nicht risikoreicher als das herkömmliche Sparen und andere Geldanlagen, während sie deutlich lukrativere Renditen erwirtschaftet.

Durch die langfristige Anlage sind kurzfristige Schwankungen nicht relevant für den Anleger. Wer sein Geld aber ständig verfügbar halten möchte oder kurzfristig auf die Mittel zugreifen muss, für den ist die alleinige Aktienanlage nicht geeignet, weil man dann eventuell auch bei aktuell starken Kursverlusten verkaufen muss. Eine gewisse Reserve für Notfälle sollte also immer frei verfügbar gehalten werden.


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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