Chartanalyse: Über Sinn und Unsinn!

Von einer Chartanalyse wird im Rahmen der Aktienanalyse gesprochen. Diese Form analysiert den Kursverlauf, den Aktien bisher aufweisen. Sie zeigt auf, wie der Verlauf in den vergangenen Jahren war und soll Aufschluss darüber geben, wie sich der Verlauf in der Zukunft entwickeln kann.

Die Idee hinter der Chartanalyse

Jeder Anleger hat seine eigene Strategie. Dafür greift er auf verschiedene Tools zurück. Eines dieser Tools ist die Chartanalyse. Sie soll durch eine grafische Darstellung helfen zu verstehen, wie sich die Aktie in einem bestimmten Zeitraum in der Vergangenheit entwickelt hat.

Das Ziel: Die Chartanalyse soll möglichst klar darzustellen, ob sich eine Investition in die Aktie lohnt. Darüber hinaus soll die Chartanalyse dabei helfen, eine Kauf- und Verkaufsprognose erstellen zu können.

In die Analyse fließen dabei sowohl die Entwicklungen der Aktie als auch des Unternehmens an sich ein. Bei einigen Chartanalysen wird auch darauf zurückgegriffen, Aktien in die Analyse einzubeziehen, die der gewünschten Aktie ähnlich sind. Durch diesen Vergleich soll noch klarer dargestellt werden, ob eine Aktie für eine Investition geeignet ist. Die Betrachtung der bisherigen Kursverläufe erfolgt dabei nicht nur über einen kurzen Zeitraum in der Vergangenheit. Auch die langfristigen Kursverläufe sind ein interessanter Aspekt.

Warum soll die Chartanalyse hilfreich sein?

Die Informationen über eine Aktie, die für den Martkteilnehmer als Indikatoren gesehen werden können, sollen bereits aus dem Kursverlauf zu entnehmen sein. Diese Strategie ist keine neue Idee. Wer die Wertentwicklung von einer Aktie vorhersagen möchte, der hat wenige relevante Informationen. Zu den relevantesten Informationen gehören die Kursverläufe der Vergangenheit. Sie können darauf hinweisen, zu welchen Zeiten die Aktie ein Hoch und ein Tief entwickelt hat. Aus diesen Informationen heraus soll sich lesen lassen, wie eine weitere Entwicklung vonstatten gehen könnte.

Bei dieser Form spielen folgende Faktoren keine Rolle:

  • es wird dabei kein Blick auf die Umsätze des Unternehmens gerichtet
  • das aktuelle Verhältnis von Kurs und Gewinn stehen nicht im Fokus.
  • die wirtschaftliche Entwicklung fließt ebenfalls nicht mit ein

Viele Marktteilnehmer greifen jedoch die wirtschaftliche Entwicklung auf. Sie prüfen nach, ob es zu Veränderungen am Markt kommt, die sich auf die Aktie auswirken können. Zudem schauen sie darauf, wie sich solche Entwicklungen in der Vergangenheit auf die Aktie ausgewirkt haben. Dies ist bei einer Chartanalyse jedoch nicht enthalten.

Zu den relevantesten Informationen einer Chartanalyse gehören die Kursverläufe der Vergangenheit. (#1)

Zu den relevantesten Informationen einer Chartanalyse gehören die Kursverläufe der Vergangenheit. (#1)

Welche Kennzahlen und Faktoren gehen bei der Chartanalyse verloren?

Inwieweit die Chartanalyse für die Erstellung der eigenen Strategie von Vorteil ist, muss jeder Anleger für sich selbst entscheiden. Wichtig zu wissen ist jedoch, welche Faktoren, die für eine Einschätzung der Aktien genutzt werden können:

  • Der Umsatz: Der Umsatz eines Unternehmens kann Aufschluss darüber geben, mit welcher Entwicklung zu rechnen ist. Gerade dann, wenn ein Unternehmen möglicherweise innerhalb einer kurzen Zeit einen Umsatzverlust hat, kann es sinnvoll sein, diesen näher zu betrachten. Bei der Chartanalyse zeigt sich das Problem, dass ein Umsatzeinbruch, der auch Auswirkungen auf den Kurs haben kann, meist nicht ausreichend Bedeutung bekommt, da sich auf die Vergangenheit konzentriert wird.
  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis: Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist in der Betrachtung nicht enthalten. Die Kursentwicklung muss nicht immer im selben Verhältnis zur Gewinnentwicklung stehen. Auch hier gibt es positive und negative Beispiele. So kann es sein, dass die Gewinnentwicklung gering, der Kursverlauf jedoch steigend ist.
  • Die Wirtschaft: Wie bereits kurz erwähnt, hat die Wirtschaft einen großen Einfluss auf die Aktien. Nicht umsonst ist an der Börse immer viel los. Die Anleger möchten schnell reagieren, wenn es zu wirtschaftlichen Veränderungen kommt. Diese werden jedoch in der Chartanalyse nur dann berücksichtigt, wenn sie in der Vergangenheit liegen. Hier kann erkannt werden, wann es beispielsweise zu Einbrüchen im Kursverlauf gekommen ist und was der Auslöser dafür war. Aktuelle Veränderungen jedoch sind aus der Chartanalyse in ihrem Einfluss auf den Kurs nicht zu erkennen.
  • Perspektiven: Die Perspektiven eines Unternehmens zählen zu den weichen Faktoren, da es sich hier nicht um Indikatoren handelt, die faktisch belegt werden können. Dennoch können sie einen Einfluss auf den Kursverlauf nehmen. Gerade die Zukunftsperspektive eines Unternehmens ist hier wichtig. Welche Entwicklungen sind bei der Firma zu erwarten? Wie können sich diese auf die Aktien auswirken?
Wichtig ist es, die Chartanalyse nur als einen Teil der Faktoren zu sehen, die einen Hinweis darauf geben können, wie sich Aktien entwickeln. Warum das so ist, könnt ihr hier im Artikel nachlesen. (#2)

Wichtig ist es, die Chartanalyse nur als einen Teil der Faktoren zu sehen, die einen Hinweis darauf geben können, wie sich Aktien entwickeln. Warum das so ist, könnt ihr hier im Artikel nachlesen. (#2)

Wie verläuft eine Chartanalyse?

Um eine Strategie zu entwickeln, wird die Chartanalyse auf Muster untersucht. Der Gedanke ist, dass diese Muster einen Hinweis darauf geben können, wie sich die Aktie weiter entwickeln wird. Doch nicht immer sind die Muster konform miteinander.

Es passiert häufiger, dass ein Widerspruch zwischen den Mustern auftritt und es dann schwierig wird, daraus mögliche Entwicklungen für die Zukunft abzuleiten. Damit die Muster jedoch überhaupt erkannt werden können, greift man bei einer Chartanalyse auf die technischen Indikatoren zurück. Welche technischen Indikatoren zum Einsatz kommen, ist ganz unterschiedlich. Die Zahl der Möglichkeiten ist hoch.

Besonders häufig zum Einsatz kommt das Momentum.

Hierbei handelt es sich um einen Klassiker. Dieser Indikator wird verwendet, um die Geschwindigkeit darzustellen, mit der sich die Kurse verändern. In der Regel erscheint er als Linienchart. Bei einigen Analysen wird jeodoch auch mit einer Balkendarstellung gearbeitet.

Die Wertberechnung erfolgt auf der Formel:
Close heute – Close (X Perioden)

Der Anleger entscheidet, welche Perioden er einsetzen möchte. Dies kann eine Periode von einem Tag, einer Woche, einem Monat oder auch einem Jahr sein. Bei langen Perioden ist auch der Kursverlauf in seiner Entwicklung besser zu erkennen.

Die Dow-Theorie und ihre Bedeutung für die Chartanalyse

Die Basis für die Chartanalyse stellt die Dow-Theorie dar. Sie basiert auf den Aussagen des Journalisten Charles Dow. Er hat als erster Mensch einen Börsenbrief erstellt und ausgegeben und gilt als Begründer der technischen Analyse. Bis heute werden seine Richtwerte in Bezug auf die Kursanalyse gerne in Anspruch genommen.

Charles Dow war auch der Begründer der Aktienindexe. Im Wall Street Journal wurden schon damals seine Erkenntnisse veröffentlich. Bis heute ist das Journal bei Anlegern sehr beliebt und wird gerne herangezogen, wenn es um die Einschätzung von Wertpapieren geht.

Video: Lohnt es sich in Aktien zu investieren

Was steht hinter der Dow Theorie?

Um zu verstehen, wie die Dow Theorie Einfluss auf die Chartanalyse genommen hat, ist es wichtig, sich mit den Kernaussagen zu beschäftigen. Insgesamt sieben Kernaussagen sind seinen Theorien zu entnehmen:

1. Alle notwendigen Informationen sind den Indizes zu entnehmen

Hier wird davon ausgegangen, dass die Kurse direkt auf neue Informationen reagieren. Das heißt, sobald es zu Veränderungen am Markt kommt, verändern sich auch die Kurse. Dies ist eine der Grundlagen, die generell bei den effektiven Märkten eingesetzt wird.

2. Den Trend definieren

Um eine Analyse nutzen zu können, muss ein Trend erkannt werden. Die Definition der Trends ist daher eine der wichtigsten Grundlagen im Rahmen einer Analyse. Um gute Trades erkennen zu können, braucht es einen Trend. Das ist eine Aussage, die bis heute bei einer Strategie eingesetzt wird.

3. Die Unterteilung in drei Trends

Bei den Indizes wird von einer Unterteilung in drei Trends gesprochen.

  1. Der primäre Trend ist der sogenannte „main movement“. Er muss ein Jahr wenigstens oder über mehrere Jahre bestehen und kann bearish oder bullish sein.
  2. Der „medium swing“ wird auch als ein sekundärer Trend gesehen. Er muss für wenigstens zehn Tage oder höchstens drei Monate bestehen.
  3. Der dritte Trend ist der „short swing“. Die Variation liegt hier bei wenigen Stunden bis hin zu einem Monat.

Es ist möglich, dass die drei Trends zeitgleich auftreten.

4. Die einzelnen Phasen bei den Kursbewegungen

Bei der Kursbewegung wird von drei Phasen gesprochen:

  • Phase 1: Die Akkumulationsphase
    Bei einer Akkumulationsphase ist nicht mit einer Veränderung des Aktienkurses zu rechnen, da die Investition durch Anleger im Rahmen einer Schiebezone erfolgt.
  • Phase 2: Die Ausbruchsphase
    Bei einer Ausbruchsphase wird dagegen die seitliche Zone durch die Anleger verlassen und es kann zur Entwicklung von einem Abwärtstrend oder einem Aufwärtstrend kommen.
  • Phase 3: Die Distributionsphase
    Bei der Distributionsphase ist erkennbar, dass starke Spekulationen durchgeführt werden. Es kann zu einer Seitwärtsbewegung kommen.

5. Der Blick auf das Volumen

Dow hat deutlich gemacht, dass seiner Meinung nach nur ein hohes Volumen in der Lage ist, den Trend am Markt bestätigen zu können. Er geht davon aus, dass Kursbewegungen, bei denen zahlreiche Marktteilnehmer ebenfalls aktiv werden, sich halten und der Trend sich in diese Richtung weiter bewegt.

Dabei müssen Anleger beachten, dass es einen Unterschied zwischen Bull und Bear gibt.

Steigen die Umsätze und damit auch die Kurse, wird von einem Bull Market gesprochen. Fallen die Kurse und steigen die Umsätze oder steigen die Umsätze oder fallen die Kurse, wird von einem Bärenmarkt gesprochen.

Laut Charles Dow müssen Anleger unbedingt beachten, dass es einen Unterschied zwischen Bull und Bear gibt. Das ist natürlich ebenso bedeutend für die hier beschriebene Chartanalyse. (#3)

Laut Charles Dow müssen Anleger unbedingt beachten, dass es einen Unterschied zwischen Bull und Bear gibt. Das ist natürlich ebenso bedeutend für die hier beschriebene Chartanalyse. (#3)

6. Die Bestätigung

Nach dieser Theorie bestätigen sich Trends gegenseitig. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte das als eine Warnung für den Anleger gesehen werden.

7. Der Trend bleibt bestehen, bis das Gegenteil bewiesen ist

Ein Trend gilt so lange als ein Trend, bis es andere Signale gibt. Das heißt, liegt ein Aufwärtstrend vor und bewegt sich der Kurs dennoch abwärts, besteht nach dieser Theorie weiter ein Aufwärtstrend, der erst dann endet, wenn starke Signale für eine Trendumkehr zu erkennen sind.

Fazit: Die Chartanalyse kann als Indikator genutzt werden

Die Chartanalyse ist einer der häufigsten Indikatoren, der für die Entwicklung einer Strategie eingesetzt wird. Es ist durchaus möglich, seine Strategie auf der Analyse aufzubauen. Allerdings ist dieser Vorgang sehr spekulativ.

Besser ist es, die Chartanalyse nur als einen Teil der Faktoren zu sehen, die einen Hinweis darauf geben können, wie sich Aktien entwickeln.

Auch wenn die Chartanalyse bereits seit Jahrzehnten eingesetzt wird, so weist sie auch ihre Schwächen auf. Durch den Fakt, dass hier viele harte und weiche Indikatoren nicht betrachtet werden, gibt sie zwar Aufschluss über einen möglichen Trend, kann diesen aber nicht immer genau begründen. Auch wenn die Investition in Aktien generell sehr spekulativ ist, so ist eine Kombination von verschiedenen Analysen noch immer die beste Möglichkeit, um Erfolg zu haben.


Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: solarseven, – #01: NicoElNino, – #02: Pressmaster, – #03: Bacho

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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