Ersol AG Aktien: Warum das Unternehmen aufgelöst wurde

Wer sich in den vergangenen Jahren mit dem Thema Solar-Aktien beschäftigt hat, der hat das Drama um die Ersol AG Aktie live miterlebt. Ein echter Überflieger, der innerhalb weniger Jahre vom Aktienolymp direkt in den Hades gefallen ist. Heute hat sich das Unternehmen ebenso komplett aus dem Bereich der Solartechnik zurückgezogen.

Ersol AG Aktien: Wie alles begann

Das im Jahr 1997 gegründete Unternehmen aus Erfurt gehörte zu den Pionieren der Solaranbieter. Ersol entschied sich als eines der ersten Solarunternehmen dazu, den Gang an die Börse zu wagen, damals mit einem echten Paukenschlag. Denn mit einem Handelspreis von 65 Euro pro Aktie lag der Wert bereits am ersten Tag rund 55 Prozent über dem ursprünglichen Ausgabenpreis von 42 Euro.

Mit einer knapp 50fach überzeichneten Aktienemission und einem Gesamtvolumen von 154 Millionen Euro, waren alle zur Verfügung stehenden Aktien innerhalb von wenigen Tagen platziert. Der Netto-Emissionserlös betrug damals stattliche 177,5 Millionen Euro.

Video: Börsengang erklärt in unter 5 Minuten 20 Sekunden

Börsengang verlief nach Plan

Mit einem nennenswerten Erfolg der Ersol AG Aktie im Jahr 2004 hatten die damaligen Chefs zwar gerechnet, allerdings wurden die bereits positiven Erwartungen bei Weitem übertroffen. Der Börsengang war vor allem für die geplante Expansion des Unternehmens relevant. Diese war vor allem intern geplant, und für das Jahr 2008 war eine Kapazitätenerweiterung von 60 Mega-Wass (MW) auf 110 MW vorgesehen.

Nach dem Börsengang der Ersol AG Aktie konnte das Unternehmen einen monatelangen Wachstumskurs verzeichnen. Der Umsatz wurde auf 33,5 Millionen Euro angehoben, und der Nettogewinn lag im zweiten Quartal 2005 bereits bei 1,9 Millionen Euro. Es dürfte bereits zu diesem Zeitpunkt gewesen sein, dass Bosch auf das Unternehmen aufmerksam geworden ist. Innerhalb der folgenden Jahre kaufte sich Bosch Stück für Stück in den Konzern ein, und im Jahr 2009 wurde auch die letzte Aktie vom Stuttgarter Großkonzern übernommen.

Mit der Übernahme der Ersol AG Aktien wurde das Unternehmen offiziell zu Bosch Solar Energy AG umbenannt und war ab 2009 eine vollwertige Tochter der Bosch AG. Die Solarsparte von Bosch konzentrierte sich dabei voll und ganz auf das Geschäft mit der Sonnenenergie. Nach eigenen Angaben umfasste die Sparte weltweit mehr als 3000 Mitarbeiter.

Diese verteilten sich auf drei Hauptstandorte. Die Zentrale der ehemaligen Ersol AG lag in Arnstadt. Dort wurden vor Ort rund 1.800 Mitarbeiter beschäftigt. Darüber hinaus wurde im französischen Vénissieux produziert. Der dritte Standort konzentrierte sich auf die Entwicklung von Dünnschichtmodulen und befand sich in Brandenburg an der Havel. Ein erstes Anzeichen für Probleme gab es nach der Übernahme bereist im Jahr 2012. Ein in Erfurt befindliches Werk wurde damals zum Jahresende geschlossen.

Info
Auch die Bosch-Tocher Aleo Solar war Teil der Solarproduktion des deutschen Unternehmens. Sie hatte einen Hauptsitz in Oldenburg und eine weitere Stelle in Prenzlau. Gemeinsam waren hier knapp 850 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Ende der Ersol AG Aktie

Nachdem Bosch mit hohen Erwartungen die Ersol AG Aktien in Bosch Solar Energy AG Aktien umbenannt hatte, musste der Konzern sich leider schnell geschlagen gegeben. Denn der Technikkonzern fuhr innerhalb kürzester Zeit Milliarden-Verluste ein.
Die Fertigung der Solar-Tochter deckte mehrere Sparten ab:

  • Wasser
  • Solarzellen
  • Solarmodule

Zum Beginn 2014 wurden sämtliche Geschäftszweige der ehemaligen Ersol AG eingestellt. Ein Bereich, der damals nicht der Auflösung zum Opfer gefallen ist, war die Entwicklungssparte für Dünnschicht-Technologien. Die 150 Mitarbeiter am Standort Brandenburg sind bis heute in Beschäftigung.

Als Hauptgrund für die Auflösung der AG nannte Bosch den enormen Preisabfall für Solarmodule und Solarzellen. In einem offiziellen Bericht hieß es, dass das Unternehmen nicht in der Lage sei, den aktuellen Preissturz von rund 40 Prozent zu kompensieren. Dabei sei auf Hochtouren daran gearbeitet worden, die Herstellungskosten zu senken, um weiterhin profitabel arbeiten zu können.

Es wurde damals auch darüber nachgedacht, die Produktion zu minimieren und mit spezialisierten Produkten zu arbeiten. Jedoch sei diese Überlegung schnell verworfen worden. Insgesamt hatte Bosch mehr als 2,4 Milliarden Euro verloren. Anleger der ehemalig so vielversprechenden Ersol AG Aktien haben die Verluste schmerzhaft gespürt.

 Ein Bereich, der damals nicht der Auflösung zum Opfer gefallen ist, war die Entwicklungssparte für Dünnschicht-Technologien. Die 150 Mitarbeiter am Standort Brandenburg sind bis heute in Beschäftigung.(#02)

Ein Bereich, der damals nicht der Auflösung zum Opfer gefallen ist, war die Entwicklungssparte für Dünnschicht-Technologien. Die 150 Mitarbeiter am Standort Brandenburg sind bis heute in Beschäftigung.(#02)

Ersol AG Aktien: Was war passiert?

Das Schicksal der ehemaligen Ersol AG Aktien war keine Ausnahme. Ein Großteil der Aktien-Überflieger aus dem Solarbereich sind zu nah an der Sonne geflogen und haben sich die Flügel verbrannt. Der Enthusiasmus der gesamten Industrie hat Firmenchefs, Investoren und Verbraucher dazu hingerissen, unüberlegt zu handeln. Denn was hier auf den ersten Blick wie die Lösung der Energiekrise klang, hat sich auf den zweiten Blick als ein kompliziertes Konstrukt entpuppt. Ein Fehler, der viele Unternehmen die Existenz gekostet hat, war die fehlerhafte Kostenaufstellung.

Die damalige Technologie war an vielen Stellen noch nicht ausgereift genug, um ein kosteneffizientes Arbeiten auf kommerzieller Ebene zu erlauben. Nachziehende Unternehmen, die von Anfang in der Lage waren, eine neue Produktionskette kostenoptimiert zu gestalten, konnten den Markt mit günstigen Alternativen überfluten. Bestehende Produktionen konnten nicht ausreichend schnell umgebaut werden.

Ein weiterer Grund für den Zusammenfall der Solarblase war die Tatsache, dass die neue Branche den Widerwillen der bestehenden Energiekonzerne unterschätzt hat. Stromhersteller der alten Riege haben schnell Mittel und Wege gefunden, ausreichend Druck auf Regierungen und Industriepartner auszuüben. Das Resultat war ein globaler Trend, der aufgrund von neuen Richtlinien den Nutzen von Solarstrom zu einer teuren Angelegenheit machte.

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Was können Solar-Anleger von der Ersol AG Aktie lernen?

Wer heute Interesse am Solar-Markt hat, der muss sich der hohen Risiken bewusst sein. Denn obwohl die Zukunft aktuell bessere Aussichten für die Branche bietet, sind die schlimmsten Zeiten noch nicht vorbei. Ein grundlegender Wandel im Bereich Politik, Wirtschaft und Konsumverhalten muss sich durchsetzen, bevor Firmen aus dem Bereich der Solar-Branche langfristig Fuß fassen können und Titel wie die Ersol AG Aktien gute Zahlen schreiben. Wer aber bereit ist, bereits heute auf eine vielversprechende Branche zu setzen, die noch ein recht hohes Risiko trägt, dem stehen viele Investitionsmöglichkeiten bereit.

Was hat die Zukunft zu bieten?

Momentan ist die Diskussion um den Klimawandel wieder in den Fokus der Politik gerutscht. Dabei sind es nicht nur Staatsoberhäupter, die sich hier zu Wort melden. Immer mehr Großkonzerne sind bereit, ihre Produktion in Richtung erneuerbare Energie umzulegen. Und auch die Forschung ist auf dem Vormarsch.

Neue Technologien ermöglichen den Einsatz von Solarzellen und Solaranlagen in bahnbrechenden Wegen, die auf lange Sicht einen grundlegenden Wandel bringen können. Mit dem Anstoß aus Politik, Wirtschaft und Forschung kommt auch innerhalb der Konsumwelt der Stein ins Rollen. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Immer mehr Großkonzerne sind bereit, ihre Produktion in Richtung erneuerbare Energie umzulegen. (#03)

Immer mehr Großkonzerne sind bereit, ihre Produktion in Richtung erneuerbare Energie umzulegen. (#03)

Ersol AG Aktien: Was Anleger ignoriert haben

Unabhängig von der Branche: Anleger sollten sich generell nicht dazu hinreißen lassen, auf den schnellsten Zug aufzuspringen, ohne das gesamte Bild zu überblicken. Eine extrem schnell wachsende Branche trägt immer ein enormes Risiko. Vor allem in Bereichen, die neu am Markt sind.

Daher lohnt es sich, hier genau hinzuschauen und alle relevanten Faktoren gegeneinander abzuwägen. Gibt es einen Oppositionsmarkt mit hoher Lobby-Kraft? Wie ist die aktuelle Preisstruktur für Endkunden gestaltet? Ist in naher Zukunft mit nennenswerten Weiterentwicklungen innerhalb der Branche zu rechnen? Wer hier in der Lage ist, alle relevanten Daten zusammenzutragen, kann eine wohl informierte Entscheidung treffen.


Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild:pixbox -#01:Tinxi – #02:Dave Weaver – #03:Spriteza

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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