Russische Aktien: Analyse und Trends

Wer an russische Aktien denkt, dem kommen sofort Öl- und Gas-Aktien in den Sinn. Darüber hinaus hat das Land aber noch viel mehr zu bieten. Die vor allem für Schwellenmarkt-Aktionäre beliebte Investitionsregion zeigt in vielen Bereichen eine vielversprechende Zukunft. Aber was sollten Anleger wissen, um das Renditepotenzial Russlands voll ausschöpfen zu können?

Öl und Konsumgüter geben den Ton an

Der russische Aktienmarkt ist dynamisch. Die politischen Unruhen der vergangenen Jahre haben dafür gesorgt, dass sich Unternehmen stärker darauf konzentrieren, sich nicht nur national, sondern auch international zu etablieren. Eine notwendige Weitsicht, die den russischen Aktien einen notwendigen Schub verpasst hat. Für das Jahr 2017 setzen steigende Ölpreise und eine nennenswert gestiegene Leistung von vielen konsumorientierten Firmen den Kurs. Die Erwartungen der Analysten und Anleger sind entsprechend hoch. Der ideale Zeitpunkt, den Einstieg in den russischen Markt zu wagen.

Video: Lohnende Russland-Aktien – trotz Rubel-Verfall

Russische Wirtschaft kann aufatmen

Russland ist ein Land, das sich in ständiger Unruhe befindet. Dies wirkt sich negativ auf alle Bereiche aus. Auch die Wirtschaft leidet regelmäßig unter den politischen Entscheidungen der Führungspartei und den damit zusammenhängenden Problematiken. Allerdings darf man ein Land mit mehr als 144 Millionen Einwohnern nicht so schnell abschreiben.

Die urbanen Regionen gewinnen rapide an Zuwachs, und die Wirtschaftsdynamik ist in einem entsprechend positiven Wandel begriffen. So konnte im ersten Halbjahr 2016 ein nennenswertes Wachstum für Hypothekenanträge verzeichnet werden. Aktuell ist die Inflationsrate von beunruhigenden 17 Prozent auf stabile sieben Prozent abgefallen.

Die russischen Aktien werden zum Großteil durch Ölaktien wie die von Gazprom dominiert. Die fallenden Ölpreise aus den Jahren 2014 und 2015 haben daher dazu geführt, das einige der stärksten russischen Aktien einen Tiefstand erreichten, der die schlechteste Perfomance über mehrere Jahrzehnte einläutete. Investoren waren damals schnell dabei, den russischen Aktien ihren Rücken zu kehren. Die zu jener Zeit implementierten Wirtschaftssanktionen gegen Russland besiegelten die Krise des russischen Aktienmarktes.

Die russischen Aktien werden zum Großteil durch Ölaktien wie die von Gazprom dominiert. (#01)

Die russischen Aktien werden zum Großteil durch Ölaktien wie die von Gazprom dominiert. (#01)

Langzeit-Investoren sahen ihre Chance

Obwohl die russischen Aktien am Boden lagen, sahen Langzeit-Anleger eine Chance in den russischen Aktien. Denn die Prognosen für Schwellenländer waren global als vielversprechend zu sehen. Auch wenn hier eine langfristige Kursentwicklung über mehrere Jahre als Grundlage für die Analyse gilt, sahen viele Investoren eine gute Möglichkeit, sich günstig in den wachsenden Markt der russischen Aktien einzukaufen.

Eine hohe Risikobereitschaft von optimistischen Anlegern und ein benötigter Anstieg der Ölpreise zum Jahresbeginn 2016 sorgten dann dafür, dass sich die russischen Aktien recht schnell auf einen steigenden Kurs verlassen konnten. Die weiter steigenden Ölpreise für das Jahr 2017 machen Gazprom und Co. zu lohnenswerten Investitionen.

Hinweis

Der russische Markt ist weiterhin vor allem für die Depots mit Langzeitstrategie eine interessante Wahl. Day-Trader werden hier nicht die erhofften Renditen erzielen können. Dies liegt vor allem an der langsamen, aber stetigen Kursentwicklung in allen Bereichen.

Ein weiterer Grund, die Marktentwicklung der russischen Aktien positiv zu betrachten, ist die Zuversicht der Schwellenländer-Analysten. Diese korrigieren die Renditeeinschätzungen zum Großteil zum Positiven.

Russische Aktien: Gazprom klarer Favorit

Die Gazprom-Aktie ist selbst Laien ein Begriff. Dies hat die Mehrheit der Anleger bisher jedoch nicht dazu bewegt, ihr enormes Potenzial zu erkennen. Händler, die sich auf den osteuropäischen Markt spezialisiert haben, sind der Meinung, dass das russische Energieunternehmen Gazprom in den vergangenen Jahren stark fehlbewertet wurde. Dass diese Einschätzung korrekt ist, zeigt das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis der Gazprom Aktie.

Der Gazprom Börsenpreis entspricht dem Nettogewinn des Konzerns über einen Zeitraum von 3,5 Jahren. Dies, obwohl sich Gazprom im globalen Vergleich mit einer Netto-Umsatzrendite von über 26 % klar an die Spitze der Gasversorger gesetzt hat.

Die Gazprom-Aktie ist selbst Laien ein Begriff. Dies hat die Mehrheit der Anleger bisher jedoch nicht dazu bewegt, ihr enormes Potenzial zu erkennen.(#02)

Die Gazprom-Aktie ist selbst Laien ein Begriff. Dies hat die Mehrheit der Anleger bisher jedoch nicht dazu bewegt, ihr enormes Potenzial zu erkennen.(#02)

Warum entscheiden sich Anleger gegen Gazprom?

Der Konzern schreibt gute Zahlen, die Wirtschaftslage des Landes befindet sich im Aufschwung, und Analysten aller Klassen sehen hohes Renditepotenzial in den Russland Aktien. Warum wird Gazprom von Anlegern also gemieden?

Die Antwort liegt klar in der politischen Bindung des Unternehmens. Die Mehrheit des Konzerns liegt in staatlicher Hand. Dies bedeutet, dass die Unternehmensführung alles andere als ideal für Äktionäre ist. In Sachen Transparenz und Aktionärspolitik wird schnell deutlich, dass hier die Interessen der Anleger nicht bedient werden. So gibt es zum Beispiel erst seit dem Jahr 2006 Dividendenzahlungen für Aktionäre.

Fürsprecher sehen in der staatlichen Bindung allerdings einen klaren Vorteil. Der Konzern spielt eine wichtige Rolle für den russischen Finanzhaushalt. Es ist daher unwahrscheinlich, dass es zu Missmanagement durch den Staat kommt, denn jeder eingespielte Gewinn kommt direkt der Staatskasse zugute.

Russland Aktien: Gazprom-Kurs entwickelt sich mit dem Ölpreis

Ein Risikofaktor der staatlichen Verbindung ist ohne Frage die Möglichkeit, die tatsächlichen Profite schönzuschreiben. Russland arbeitet auf Hochtouren daran, dass innerhalb des Landes die Preise für Strom und Gas erhöht werden, setzt aber zeitgleich auf eine billige Gasförderung durch Gazprom. Im Gegenzug lassen sich auch subventionierte Gasgeschäfte innerhalb des Binnenmarktes als ein Profitgeschäfte darstellen.

Der allgemeine Bedarf für Gas steigt währenddessen in ganz Europa merklich an. Auch hier arbeitet die russische Regierung daran, es Gazprom zu ermöglichen, sein Geschäft so weit wie möglich auszuweiten, um die Gewinnausschüttung für die Staatskassen zu erhöhen.

Unabhängig davon ist allerdings auch Gazprom machtlos gegenüber dem Ölpreis. Denn der Gaspreis richtet sich nach eben diesem,im direkten Zusammenhang damit steht entsprechend die Kursentwicklung der Gazprom Aktie an der Börse.

Info

Ein Erfolgsgrund für Gazprom ist in der Tatsache zu finden, dass die derzeit bestellten Gasfelder relativ leicht zu erschließen sind. Sind die Ressourcen vollkommen erschlossen, wird sich das Unternehmen unweigerlich an neue Quellen wenden müssen, deren Förderung hohe Kosten verursachen wird.

Der allgemeine Bedarf für Gas steigt in ganz Europa merklich an.(#03)

Der allgemeine Bedarf für Gas steigt in ganz Europa merklich an.(#03)

 

Welche russischen Aktien haben die besten Zukunftsaussichten?

Wer einen Blick auf den DAX legt, der kann sofort die ungeschlagenen Allzeit-Favoriten erkennen. Dies ist bei der russischen Börse nicht anders.

Der RTS wird dabei vor allem von diesen drei Unternehmen dominiert:

  • Gazprom
  • Rosneft
  • Sberbank

Wer sich hier zu einer Investition entscheidet, der kann auf ein stetiges Wachstum bauen. Aber auch darüber hinaus haben die russischen Aktien einiges zu bieten. Generell ist es ratsam, von den klassischen Börsen-Tipps die Finger zu lassen. Hat sich das Gerücht einer Super-Aktie erste einmal etabliert, ist die Chance groß, dass diese Blase schnell platzen wird. Der russische Markt ist für Anleger mit Weitblick gedacht, die eine gute Mischung aus Langzeitinvestitionen und kurzfristigen Renditen suchen.

Ein gutes Beispiel dafür sind russische Goldaktien. Zum Jahresbeginn 2017 haben diese in vielen Bereichen erstklassige Leistungen gezeigt, und die Tendenz ist steigend. Ein Grund dafür sind die geringen Produktionskosten des Edelmetalls. Diese liegen für den russischen Markt zwischen 500 und 700 Euro pro Unze: perfekt, um mit jeder Unze die Renditen zu optimieren.

Zwei interessante Anbieter in diesem Bereich sind die Aktien von Highland Gold Mining und Polyus Gold. Highland Gold Mining kann dabei mit einer enormen Preissteigerung in den vergangene Monaten aufwarten, die sogar nach dem Brexit ungehindert stabil war. Das macht das Unternehmen zu einer echten Ausnahme, nicht nur für die russischen Aktien.

Für wen sind die Russland Aktien interessant?

Sowohl private, als auch institutionelle Anleger sollten den Blick nach Russland wagen. Denn die Börse vor Ort hat ein enormes Potenzial zu bieten. Allerdings gilt es in vielen Sparten, Geduld zu zeigen. Ob Gazprom oder Goldaktien: Die Kursentwicklung hängt von unzähligen Faktoren ab, die im Schwellenmarkt

Sowohl private, als auch institutionelle Anleger sollten den Blick nach Russland wagen. Denn die Börse vor Ort hat ein enormes Potenzial zu bieten.(#04)

Sowohl private, als auch institutionelle Anleger sollten den Blick nach Russland wagen. Denn die Börse vor Ort hat ein enormes Potenzial zu bieten.(#04)

Russland nur langsam Auftrieb gewinnen.

Die allgemeine Verbesserung der Wirtschaftslage ist ein Lichtblick, der das Investitionsspektrum von internationalen Großkonzernen auf inländische Konsumentengüter erweitert.

Die wachsende Kaufkraft im Land lässt darauf hoffen, dass auch Börsenunternehmen mittlerer

Größe mit guten Zahlen überzeugen können. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass ein Wirtschaftswachstum eine Vielzahl von interessanten Börsengängen initiieren wird.

Wer mit seinen Investitionen keine Eile hat, der ist mit Russland bestens bedient. Am besten eine Mischung aus mehreren Branchen in das russische Aktien-Depot legen:

  • Großkonzerne
  • Firmen für inländische Konsumwaren
  • Edelmetalle

Fazit: Russische Aktien sind nicht für jeden passend

So nennenswert das Wachstumspotenzial des russischen Marktes auch ist, es hat ohne Frage seine Tücken. Wer seine Anlagen auch moralisch vertreten möchte, der findet es oft schwer, sich auf russische Unternehmen zu verlassen. Insbesondere staatliche geführte Konzerne wie Gazprom stellen hier eine Hürde dar.

Aber auch die Tatsache, dass die generelle politische Zukunft des Landes immer wieder ins Wanken gerät, schreckt Investoren aller Klassen ab. Oft scheint es ungewiss, wie sich Russland am nächsten Tag auf der internationalen Politiklandkarte präsentieren möchte. Krisensituationen, wie sie vor Kurzem in der Ukraine zu sehen waren, sind ein Indikator dafür, dass Russland noch weit davon entfernt ist, nach den politischen wie wirtschaftlichen Regeln der europäischen und westlichen Finanzwelt zu spielen.

Wer seinen Fokus jedoch rein auf die Renditechancen legen möchte, der sollte die russischen Aktien auf dem Radar haben. Allen voran Gazprom. Das Unternehmen wird in den kommenden Jahren die Möglichkeit der günstigen Gasförderung voll ausschöpfen und seine Geschäfte innerhalb Europas merklich ausweiten. Der aktuell steigende Ölpreis trägt weiterhin dazu bei, dass die Aktien regelmäßig an Auftrieb gewinnen.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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