Quereinsteiger: Eine Möglichkeit gegen Fachkräftemangel

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Quereinsteiger werden aufgrund des Fachkräftemangels mittlerweile überall gesucht. Auch im kaufmännischen Bereich, für den entsprechende Weiterbildungen für Branchenfremde möglich sind.

Quereinsteiger gegen den Fachkräftemangel: Alle Bereiche leiden unter zu wenig Fachpersonal

Einschlägig qualifizierte Mitarbeiter werden von vielen Unternehmen händeringend gesucht. Doch häufig nicht gefunden und der Fachkräftemangel ist inzwischen in jeder Branche und in fast jedem Unternehmen angekommen. Selbst bei einer klugen Standortentscheidung bei der Gründung des Unternehmens, bei guten Gehältern und erstklassigen Sozialleistungen müssen viele Unternehmen damit rechnen, für die zu besetzenden Stellen eben keine Fachkräfte zu finden. Quereinsteiger können die Lösungen sein.

Sie sind zwar nicht für die betreffende Stelle ausgebildet, bringen aber meist eine hohe Motivation mit. Die für die Position nötige Weiterbildung für Wirtschaft und Verwaltung ist auch nebenberuflich möglich, sodass nötige Qualifikationen auch noch nach der Einstellung erworben werden können.

Woher kommt der Fachkräftemangel?

Trotz aller Anreize in den Unternehmen scheint der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht sonderlich attraktiv zu sein. Immer weniger gut ausgebildetes Fachpersonal steht zur Verfügung. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass zur Besetzung einer Stelle mindestens 150 Tage einkalkuliert werden müssen und dass auch nach langwieriger Suche keine Fachleute zur Verfügung stehen.

Gründe für den Fachkräftemangel sind unter anderem:

  • demografischer Wandel durch Überalterung
  • Akademisierung (mehr Studenten, keine Fachkräfte in Handwerk und Verwaltung)
  • unbeliebte Jobs (z. B. Lokführer)
  • Änderung der Jobprofile durch Digitalisierung und Einsatz von Robotern (andere Anforderungen sind zu erfüllen)

Vielfach sind die Probleme hausgemacht, so auch beim Einsatz von künstlicher Intelligenz und der zunehmenden Digitalisierung. Viele gut ausgebildete Arbeitnehmer fühlen sich dem Trend zur Digitalisierung nicht gewachsen und stellen sich der Herausforderung nicht mehr. Das gilt vor allem für ältere Arbeitnehmer, die Unternehmen durch ihre Erfahrung bereichern könnten. Besonders betroffen vom Fachkräftemangel sind die MINT-Bereiche, die Pflegewirtschaft und die Medizin, soziale Bereiche, das Handwerk und die Verwaltung.

 Quereinsteiger sollten dabei wissen, dass die Anforderungen auch in diesem Bereich ständig steigen und dass der Einfluss der betriebswirtschaftlichen Komponenten hier immer größer wird.  ( Foto:  Adobe Stock  Jenny Sturm )

Quereinsteiger sollten dabei wissen, dass die Anforderungen auch in diesem Bereich ständig steigen und dass der Einfluss der betriebswirtschaftlichen Komponenten hier immer größer wird. ( Foto: Adobe Stock Jenny Sturm )

Neue Lösungen durch Quereinsteiger

Viele haben einen Beruf erlernt, fühlen sich aber nicht glücklich damit. Sie möchten einen anderen Job ausüben, wollen aber nicht völlig branchenfremd tätig sein. Andere sind arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht und möchten sich über eine Weiterbildung für einen neuen Job qualifizieren.

Die Quereinsteiger könnten das Problem des Fachkräftemangels nachhaltig lösen, wenn auf eine entsprechende Ausbildung ihrerseits gesetzt wird. Diese wiederum muss nicht in Form einer grundständigen Ausbildung oder eines Studiums vorgenommen werden, sondern ist auch über die Weiterbildung möglich. Vor allem die kaufmännischen Berufe stehen dabei im Fokus.

Anforderungen an kaufmännische Berufe

Die clevere Bewerbung für Ungelernte und damit für Quereinsteiger sollte die Anforderungen, die an kaufmännische Berufe gestellt werden, aufgreifen und auf die eigene Person und die vorliegenden Fähigkeiten zuschneiden. Doch dazu muss erst einmal bekannt sein, was überhaupt in den kaufmännischen Berufen angefordert wird.

Quereinsteiger sollten dabei wissen, dass die Anforderungen auch in diesem Bereich ständig steigen und dass der Einfluss der betriebswirtschaftlichen Komponenten hier immer größer wird. Häufig werden Spezialkenntnisse verlangt, die noch nicht einmal in den dafür vorgesehenen Ausbildungen oder Studiengängen vermittelt werden. Sie entstammen vielmehr der täglichen Berufspraxis und können daher am ehesten im Rahmen einer Weiterbildung erkannt und erfahren werden.

Gefordert wird seitens der Unternehmen vor allem:

  • betriebswirtschaftliches Fachwissen
  • fremdsprachliche Kompetenzen
  • branchenspezifische Kenntnisse
  • Kommunikationsstärke
  • Umgang mit gängigen Softwares
Trotz aller Anreize in den Unternehmen scheint der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht sonderlich attraktiv zu sein. ( Adobe Stock  Adam Gregor  )

Trotz aller Anreize in den Unternehmen scheint der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht sonderlich attraktiv zu sein. ( Adobe Stock Adam Gregor )

Gute Aussichten für Quereinsteiger

Quereinsteiger füllen die Lücke, die durch die fehlenden Fachkräfte in den Unternehmen vorhanden ist. Sie haben gute Chancen, hier eine gut bezahlte und sichere Stelle zu bekommen, sofern sie auch bereit für Weiterbildungen sind. Die Kombination aus fremdsprachlichen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen lässt die Palette an möglichen Unternehmen und Branchen, in denen Quereinsteiger in der Wirtschaft und Verwaltung tätig sein können, besonders groß werden. Tätigkeitsfelder zeigen sich zum Beispiel im Marketing und in der Eventbranche, in der Projektkoordination, Buchhaltung und allgemeinen Verwaltung.

Wichtig: Quereinsteiger sind keine Angestellten, die keinerlei Ausbildung vorzuweisen haben! Es handelt sich um Menschen, die lediglich für den betreffenden Job eine fehlende Qualifikation aufweisen. Sie arbeiten nicht mehr in dem Beruf, für den sie ausgebildet wurden. Doch diese Branchen- und Berufsfremdheit bringt durchaus Vorteile für Unternehmen und Arbeitnehmer. Die Angestellten, die einst einen anderen Beruf erlernten oder in einem branchenfremden Job tätig waren, blicken über den Tellerrand hinaus. Sie bringen vielfältige Erfahrungen mit, die für beide Seiten interessant und wichtig sein können.

Sie entscheiden oftmals situativ und berücksichtigen dabei vielfältige Randbedingungen, die ein „Betriebsblinder“ häufig nicht mehr erkennt. Alte Gewohnheiten und Eigenarten, wie sie bei vielen Angestellten üblich sind, bringen das Unternehmen oft nicht voran. Es profitiert vielmehr von dem frischen Wind, den ein Quereinsteiger mitbringt. Er nimmt andere Perspektiven und Blickwinkel ein, nutzt diese und sucht für das Unternehmen einen Vorteil.

Quereinsteiger: Eine Möglichkeit gegen Fachkräftemangel ( Foto: Adobe Stock- goodluz)

Quereinsteiger: Eine Möglichkeit gegen Fachkräftemangel ( Foto: Adobe Stock- goodluz)

Wichtig für Unternehmen

Schon bei der Auswahl der Bewerber, die sich als Ungelernte für einen Job interessieren, sollten Unternehmen vorsichtig sein. Um wen handelt es sich und was sind die Intentionen der Bewerbung? Bewerber, die einfach nur in einen anderen Job hineinschnuppern und diesen kennenlernen wollen, sind oft keine Hilfe. Eine deutlich bessere Wahl sind Bewerber, die zwar fachlich weniger gut ausgebildet sind, die aber ein reges Interesse am Unternehmen und an seinem Fortkommen haben. Meist lässt sich das innerhalb des Bewerbungsgesprächs herausfinden.

Generelle Empfehlung für personalsuchende Unternehmen: Bitte keine Bewerber, die sich als Quereinsteiger auf eine ausgeschriebene Stelle melden, aussortieren. Hier sollten Personaler lieber aufmerksamer werden und genauer hinschauen, was die betreffende Person eventuell doch für die Stelle qualifizieren könnte. Vor allem die nicht fachgebundenen Qualifikationen lassen einen Bewerber oftmals optimal geeignet sein.

Wer kreativ ist, analytisch denken kann oder sich durch ein besonderes organisatorisches Talent auszeichnet, ist vielleicht die beste Wahl und eventuell sogar besser geeignet als jemand, der sich durch seine Fachkenntnisse auszeichnet. Die genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten können das Unternehmen oftmals besser voranbringen als ein neuer Kollege, der die gleiche Ausbildung wie die übrigen, bereits vorhandenen, Mitarbeiter vorweisen kann.

Viele Quer- oder Neueinsteiger haben tolle Ideen und vor allem dem Ehrgeiz, sich neue Bereiche wirklich erschließen zu wollen. Sie sind neugierig und wollen viel wissen, bringen Erfahrungen aus anderen Bereichen mit. Gerade das branchenfremde Wissen kann für das Unternehmen durchaus von Vorteil sein.

Wichtig für Arbeitssuchende

Quer- oder Neueinsteiger in einen Job brauchen vor allem Mut. Sie müssen den ersten Schritt wagen und in Richtung Neuanfang gehen. Die Motivation dazu muss nicht immer eine (drohende) Arbeitslosigkeit sein, denn auch eine ständige Langeweile im bisherigen Job ist Grund genug, um sich neu zu orientieren. Dabei muss nicht nur ein anderes Unternehmen infrage kommen, auch eine gänzlich branchenfremde Firma ist möglich.

Aktuell sind es im öffentlichen Dienst vor allem Lehrer, die fehlen und durch quereinsteigende Bewerber ersetzt werden. Wenngleich gerade dieser Punkt mit Skepsis zu betrachten ist, was die pädagogischen Fähigkeiten anbelangt, zeigt sich doch, dass sich der Fachkräftemangel so wenigstens ein bisschen beheben oder wenigstens mildern lässt.

Wichtig ist aber, dass der neue Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens eine gute Einarbeitung erhält. Auch nach einer absolvierten Weiterbildung im Bereich der Wirtschaft und Verwaltung sollte auf die „Ausbildung im Schnelldurchgang“ Wert gelegt werden. Hierbei wird das jeweilige Unternehmen kennengelernt und es werden unternehmensinterne Regelungen und Verfahrensweisen erlernt.

Mit ihnen lässt sich so mancher fachlicher Mangel kurzzeitig ausgleichen, denn auch dieser wird im Laufe der Berufstätigkeit ausgeglichen. Die Grundlage bildet demnach die Weiterbildung oder Umschulung, danach folgt die gründliche Einarbeitung im neuen Unternehmen. So steht dem Quereinsteiger-Erfolg nichts im Wege!

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