Wertpapierkredit: Die Option für mehr Wachstum?

Wertpapierkredit aufnehmen und das Wertpapierdepot beleihen – geht das?. Damit würde sich der eigene finanzielle Spielraum erweitern lassen, was wiederum ein stärkeres Wachstum ermöglichen könnte.

Wertpapierkredit: Günstige Finanzierungsmöglichkeit für Investitionen

Die anhaltend niedrigen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank wirken sich für Anleger positiv aus. Immer noch sind Aktien eine gewinnbringende Alternative zur konservativen Geldanlage. Damit sich Aktien aber auch von denen kaufen lassen, die finanziell weniger gut aufgestellt sind, gibt es den Wertpapierkredit. Damit können Anleger ihren eigenen finanziellen Spielraum auch kurzfristig erweitern und in Wertpapiere investieren.

Der Wertpapierkredit ist also ein Kredit, der auf das eigene Wertpapierdepot aufgenommen wird und welcher für einen erneuten Aktienkauf genutzt wird. Das Prinzip ist mit dem herkömmlichen Bankkredit vergleichbar, denn auch hier leiht sich der Kunde Geld von Bank, um dieses in den Kauf eines Produkts zu investieren. Bei einem Wertpapierkredit stellen die zu finanzierenden Produkte die Wertpapiere selbst dar.

Als Sicherheit dienen die Aktien aus dem Wertpapierdepot des Kreditnehmers und Anlegers, daraus errechnet sich auch der maximal mögliche Beleihungswert. Somit stellt der Depotwert die Basis für den Wertpapierkredit dar, allerdings behält die Bank davon einen Teil als Sicherheitsabschlag ein. Jedes Depot besitzt damit eine Beleihungsgrenze, die nicht überschritten werden darf.

Durch die Aufnahme eines Wertpapierkredits wird also die Liquidität des Anlegers kurzfristig erhöht, er hat damit die Möglichkeit, in neue Produkte zu investieren. Seine bisherigen Aktien muss er dafür nicht verkaufen, außerdem lässt sich mit dieser Vorgehensweise ein Hebeleffekt erzielen.

Für den Anleger bedeutet diese Form des Kredits also, dass er im besten Fall das geliehene Geld gewinnbringend investiert und damit seine Geldanlage wachsen lassen kann. Insofern lässt sich die Frage aus der Überschrift direkt beantworten: Ja, ein Wertpapierkredit ist eine Option für mehr Wachstum!

Gleichzeitig sei betont, dass der Zinssatz bei einem solchen Kredit in der Regel deutlich niedriger ist als bei einem normalen Raten- oder Dispokredit. Der Grund: Die Bank nutzt das vorhandene Depot als Sicherheit und weiß so mit Bestimmtheit, dass es das geliehene Geld in jedem Fall wiederbekommt. Sie geht keinerlei Risiko ein und kann daher auch einen niedrigeren Zinssatz offerieren.

Der Wertpapierkredit kann von jedem beantragt werden, der auch ein Wertpapierdepot unterhält.

Der Wertpapierkredit kann von jedem beantragt werden, der auch ein Wertpapierdepot unterhält.(#01)

Wichtige Fakten zum Wertpapierkredit

Der Wertpapierkredit kann von jedem beantragt werden, der auch ein Wertpapierdepot unterhält. Der verfügbare Depotwert ist dabei unterschiedlich, einige Banken gewähren den Kredit bereits ab einem Depotwert von 1000 Euro. Andere Banken wiederum verlangen einen Depotwert von mindestens 3000 Euro, ehe sie einen Kredit vergeben.

Diese Kreditart ist immer dann sinnvoll, wenn der angebotene Zinssatz unter den Zinssätzen liegt, die derzeit üblicherweise für einen Raten- oder Dispokredit verlangt werden. Wobei es nicht schwer sein dürfte, die Zinsen für einen Dispokredit zu unterbieten!

Der Depotinhaber wendet sich nun an seine Bank, die das Wertpapierdepot unterhält und beantragt dort den Kredit. Hier wird man ihm auch die mögliche Kreditlinie nennen, also den Betrag, der nicht überschritten werden darf. Die Bank räumt den Kredit ein und zahlt das Geld auf ein Referenzkonto.

Ein solches ist auch vom Tagesgeldkonto bekannt, hier laufen Transaktionen ebenfalls immer über ein Referenzkonto. Der direkte Zugriff auf das Hauptkonto ist in der Regel nicht möglich. Der Wertpapierkredit wird sehr kurzfristig zur Verfügung gestellt, der Anleger kann nun die gesamte Summe nutzen oder nur einen Teil davon.

Tipp: Es ist auch möglich, einen Wertpapierkredit bei einer anderen Bank als der wertpapierdepotführenden Bank aufzunehmen. Doch da dies mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden ist, weil der Zugriff auf das Depot nicht ohne Weiteres möglich ist, wird dies in der Praxis kaum vorkommen. In der Regel ist es tatsächlich die depotführende Bank, die auch den Kredit vergibt.

Noch ein Wort zur Kreditlinie des Wertpapierkredits: Der mögliche Kreditrahmen richtet sich nach dem Verlustrisiko. Desto geringer das Risiko ist, desto höher ist der Beleihungswert, sagen die Experten. Aktien lassen sich meist bei jedem Online-Broker oder bei einem Broker vor Ort mit 70 Prozent beleihen.

Deutsche Staatsanleihen werden teilweise mit einer Anleihe von bis zu 90 Prozent angeboten. Jede Bank entscheidet selbst über die Höhe des Kreditrahmens. Hier spielt natürlich auch die Risikoklasse mit hinein. Wenn diese sehr hoch ist, ist auch das Verlustrisiko höher. Damit bleibt der Kreditrahmen eher im unteren Level.

Der Zinssatz variiert von Bank zu Bank, hier lohnt sich ein Vergleich der verschiedenen Anbieter. Bei einem sehr großen Depot werden auch die berechneten Zinsen niedriger sein, die Konditionen sind dann allgemein besser. Teilweise erheben die Banken Gebühren für die Bearbeitung des Antrags und für die Bereitstellung der Kreditsumme.

Auf diesen Punkt sollten Anleger bereits achten, ehe sie zum Aktienkauf schreiten. Denn eine Beleihung ist immer möglich und ein Blick in die Zukunft kann vor dem Kauf der Aktien nicht schaden. Wird der Kredit später nicht in Anspruch genommen, ist das nicht schlimm, aber für den Fall der Fälle wissen Anleger besser vorher, welche Konditionen der Online-Broker bietet.

Wie bereits erwähnt wurde, unterscheiden sich die Konditionen der einzelnen Anbieter, darum sollten diese vor dem Aktienkauf eingehend verglichen werden.

Wie bereits erwähnt wurde, unterscheiden sich die Konditionen der einzelnen Anbieter, darum sollten diese vor dem Aktienkauf eingehend verglichen werden.(#02)

Wertpapierkredit beantragen: So geht’s!

Wie bereits erwähnt wurde, unterscheiden sich die Konditionen der einzelnen Anbieter, darum sollten diese vor dem Aktienkauf eingehend verglichen werden.

Die Schritte, die für die Beantragung eines Wertpapierkredits zu unternehmen sind, erweisen sich aber als immer ähnlich:

  1. Depot beim ausgewählten Broker eröffnen
  2. Wertpapiere kaufen oder von einer Bank aus einem bestehenden Depot übertragen
  3. Online den Kreditrahmen festlegen oder mit dem Broker besprechen und festlegen lassen
  4. Prüfung durch die Bank
  5. Bereitstellung des Geldes durch die Bank

Welche Risiken bergen Wertpapierkredite?

Es ist sinnvoll und ratsam, mit dem Wertpapierkredit das eigene Vermögen aufzubauen, denn durch die kurzfristig höhere Liquidität können Aktien gekauft werden, wann immer es besonders lohnend ist. Dennoch: Auch Wertpapierkredite bringen Risiken mit sich. Zum einen sind die Sollzinsen zu zahlen, der geliehene Wert kann nicht eins zu eins zurückgezahlt werden.

Ging das geplante Vorhaben nicht auf, stellen diese Zinsen eine zusätzliche Belastung dar. Außerdem kann es sein, dass die Zinsen gewissen Schwankungen unterworfen sind und es zu einer Steigerung des Zinssatzes kommen kann. Es ist demnach möglich, dass am Ende der Laufzeit des Kreditvertrags ein weitaus höherer Zinsbetrag gezahlt werden muss als anfangs.

Des Weiteren kann der Aktienkurs Schwankungen unterworfen sein, wodurch sich der Beleihungswert des Depots verändern kann. Der Kreditrahmen verringert sich in dem Maße, wie sich der Kurs der im Depot enthaltenen Aktien ändert. Diese Kursänderung kann sowohl ein Wertpapier als auch alle enthaltenen Wertpapiere treffen. Gehen die Kurse sehr schnell zurück, kann es passieren, dass der Kreditrahmen überzogen wird.

Die Banken haben nun das Recht, neben den normalen Zinsen Überziehungszinsen zu berechnen, die sich oft in nicht unerheblicher Höhe belaufen. Es ist damit durchaus möglich, dass doppelt oder dreimal so viele Zinsen zu zahlen sind, wie ursprünglich vereinbart worden waren. Eine regelmäßige Prüfung des Depots ist daher unerlässlich!

Die Zinserhöhung ist nur der erste Schritt. Es kann sogar sein, dass Anleger Geld nachschießen müssen, wenn die Zinserhöhung nicht reicht, um die Kosten zu decken. Ist das Nachschießen nicht möglich, kann die Bank Aktien veräußern. Bleibt danach immer noch ein Kreditbetrag übrig, kann die Bank den Fehlbetrag vom Anleger zurückfordern.

Alles, was mühsam angespart worden ist und was vielleicht durch die Aufnahme des Kredits vermehrt werden sollte, kann durch so etwas verloren gehen. Der Totalverlust droht! Zu einem Bankenvergleich sollte vor Aufnahme eines Wertpapierkredits also die Antwort auf die Frage hinzukommen, wie sich die Bank bei Aktienverlusten verhält.

In der Regel entscheidet der Depotinhaber selbst, wie der Kredit zurückgezahlt wird, zumal es sich nicht um einen befristeten Kredit handelt. Ein Ratenkredit ist ein solcher befristeter Kredit und muss demzufolge innerhalb der festgelegten Zeit zurückgezahlt werden.

In der Regel entscheidet der Depotinhaber selbst, wie der Kredit zurückgezahlt wird, zumal es sich nicht um einen befristeten Kredit handelt. Ein Ratenkredit ist ein solcher befristeter Kredit und muss demzufolge innerhalb der festgelegten Zeit zurückgezahlt werden. (#03)

So wird der Wertpapierkredit zurückgezahlt

In der Regel entscheidet der Depotinhaber selbst, wie der Kredit zurückgezahlt wird, zumal es sich nicht um einen befristeten Kredit handelt. Ein Ratenkredit ist ein solcher befristeter Kredit und muss demzufolge innerhalb der festgelegten Zeit zurückgezahlt werden. Die Zinsen sind vierteljährlich zu zahlen.

Wichtig: Rückzahlungen und Steigerungen der Kurse sollten vom Anleger immer genau im Blick behalten werden.

Wer mit Aktien spekuliert und die Gewinne aus Kurssteigerungen zum Wachstum nutzen möchte, kann das gern tun, geht damit aber ein sehr hohes Risiko ein. Dies sollte daher nur durchgeführt werden, wenn ein Verlust des Aktienvermögens bzw. eines Teils davon keine Katastrophe bedeutet.

Es kann mit der Bank vereinbart werden, ob der Kredit in einer Summe oder in monatlichen Raten zurückgezahlt werden soll. Teilweise ist es möglich, dass anfangs nur die Zinsen gezahlt werden, was meist vierteljährlich geschieht. Außerdem können die einzelnen Rückzahlungen flexibel und damit in unterschiedlicher Höhe ausfallen.

Dies hat für den Anleger den Vorteil, dass er das Geld aus dem Kredit wirklich flexibel nutzen kann und nicht bereits ab dem nächsten Monat nach der Auszahlung bereits wieder an die Rückzahlung denken muss. Ganz aus dem Kopf lassen sollte dies allerdings auch niemand, denn wie bei jedem Kredit möchte die Bank auch bei einem Wertpapierkredit ihr Geld in jedem Fall wiederhaben.

Wie unterscheiden sich die Kredite?

Der genannte Wertpapierkredit wird in der Praxis auch als Effektenlombard- oder als Lombardkredit bezeichnet, wobei die synonyme Verwendung der Begriffe nicht ganz korrekt ist. In Bezug auf die Sicherheiten gilt, dass für einen Lombardkredit alle bankenüblichen Sicherheiten eingesetzt werden können. Dazu zählen neben den Wertpapieren auch Guthaben bei der Bank oder sogar bewegliche Dinge, soweit diese pfändbar sind.

Der Wertpapierkredit hingegen beschränkt sich einzig auf Wertpapiere als Sicherheit. Der Effektenlombardkredit hingegen ist ein Darlehen, welches als Sicherheit verpfändbare Effekten nutzen. Damit sind Wertpapiere gemeint, die an der Börse gehandelt werden können. Schecks oder Wechsel können hier nicht beliehen werden.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Zweckgebundenheit. Wertpapier- und Effektenlombardkredit sind in der Regel daran gebunden, dass damit ein Wertpapiergeschäft vorfinanziert werden soll. Der Lombardkredit hingegen lässt sich für alle Zwecke verwenden, sodass Anleger damit auch in Derivate investieren können.

Der Wertpapier- und der Effektenlombardkredit sind Unterarten des Lombardkredits. Daran wird erkennbar, dass die synonyme Verwendung der Begrifflichkeiten nicht korrekt ist. Dennoch sollten Anleger in der Praxis genau hinschauen und hinhören, wenn von einem dieser drei Kredite die Rede ist, denn selbst Broker verwenden sie nicht ganz korrekt.


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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