Helicopter Money: Definition, Philosophie und Auswirkung

Ist Helicopter Money die Rettung des Finanzsystems? Und ist es das gleiche wie das bedingungslose Grundeinkommen, das ebenso vielfältig diskutiert wird? Welche Vorteile hat diese Art der Geldpolitik für die gesamte Economy? Wir gehen diesen Fragen nach.

Helicopter Money: Wer hat’s erfunden? Milton Friedmann

Die Idee des Helicopter Money stammt von dem Ökonomen Milton Friedmann. Vereinfacht gesagt lautet seine Idee, dass die Central Bank Geld unter den Einwohnern des jeweiligen Landes oder gar der gesamten Welt verteilt. Und zwar ganz ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen. Damit rückt das Helicopter Money zwar in die Nähe des bedingungslosen Grundeinkommens, hat aber eine komplett andere Zielrichtung.

Die Idee hinter dem Helicopter Money ist nämlich einfach, dass durch die vermehrte Geldmenge eine Deflation verhindert wird. Dazu wählte er auch tatsächlich das Bild eines Helicopters, von dem aus wahllos Geldscheine unter die Bevölkerung gebracht werden. Indem man sie einfach aus dem Helicopter wirft. Das Ergebnis: Mehr Geld, das im Umlauf ist. Und das hat weitreichende Folgen. Mehr Geld bedeutet nämlich nicht zwingend, dass die Bevölkerung dieses Geld auch angelegen würde, obwohl einige Bevölkerungsteile das bestimmt tun würden. Vielmehr führt es dazu, dass das Konsumklima ansteigt.

Mit anderen Worten: Hat die Bevölkerung mehr Geld, wird auch mehr konsumiert. Wenn mehr konsumiert wird, steigen die Preise. Das ist die einfache Rechnung von Angebot und Nachfrage: Steigt die Nachfrage (in unserem Fall, weil mehr Geld in Umlauf ist) und bleibt das Angebot gleich, steigt auch der Preis, der für die Waren bezahlt werden muss. So kann ganz effektiv einer Deflation entgegen gewirkt werden.

Video: Alles Geld Der Welt Trailer Deutsch German (2018) All the Money in the World

Helicopter Money als Hilfsmittel einer Deflation

Die Idee, die Friedmann damit verfolgte, ist so einfach wie nachvollziehbar. Inflation entsteht dann, wenn die Währung, die in Umlauf und gültiges Zahlungsmittel ist, nach und nach entwertet wird. Man kennt diesen Kreislauf auch aus der deutschen Geschichte, nämlich der Weimarer Republik. In den Jahren 1914 bis 1923 litt die deutsche Bevölkerung unter einer starken Entwertung der D-Mark. Schuld daran war unter anderem eine stetige Erweiterung der Geldmenge, die sich in der Bevölkerung befand. Also genau das, was man mit dem Helicopter Money bezwecken möchte.

In der Weimarer Republik war das Gelddrucken förmlich notwenig geworden, weil man die immensen Kosten, die infolge des Ersten Weltkrieges entstanden sind, decken musste. Der Staat musste kräftig Schulden machen, um die Ausgaben, die der Krieg verschlungen hat, zu decken. Und diese Schulden wollten nun zurückgezahlt werden. Das ging aber nur durch eine Ankurbelung der Geldmenge. Das Problem dahinter: Die Geldmenge war durch keine reale Wirtschaftskraft gedeckt, das Geld damit nicht so viel Wert, wie auf dem Geldschein angegeben.

Eine kleine Menge hätte man vielleicht ja noch abfangen können. Eine derart große Geldmenge, wie sie in den Jahren 1914 bis 1923 den Markt flutete, war jedoch nicht mehr zu stemmen. Die Folge war eine gewaltige Inflation. Einfach deshalb, weil sehr viel Geld in Umlauf war, das aber nicht durch Waren oder sonstige Wirtschaftswerte gedeckt war.

Es blieb jedoch nicht bei einer Inflation, sondern auf dem Höhepunkt der Inflation sprach man sogar von einer Hyperinflation.

Video: Unterscheiden Sie schleichende u galoppierende Inflation!

Drohen uns auch beim Helicopter Money verschiedene Arten der Inflation?

Ökonomen unterscheiden verschiedene Arten der Inflation, die uns auch beim Helicopter Money begegnen können.

  1. Die Nachfrageinflation:
    Das ist die Art von Inflation, die die Central Bank eigentlich im Hinblick auf das Helicopter Money erreichen will. Die Nachfrage ist bei dieser Art von Inflation bereits sehr hoch, scheint aber immer noch zu steigen. Das Angebot kann auch nicht gedeckt werden, da die Verbraucher immer mehr konsumieren wollen. Daher schrauben die Produzenten die Produktion soweit an, bis keine weitere Steigerung mehr möglich ist. Zur Inflation kommt es, weil auch mit einem größeren Betrag das gewünschte Produkt nicht mehr erworben werden kann. Einfach aus dem Grund, weil das Produkt nicht in einer ausreichenden Menge verfügbar ist. Der Grund dafür kann Helicopter Money oder einfach eine immer stärker steigende Nachfrage sein.
  2. Die Angebotsinflation:
    Diese Art entsteht dadurch, dass das Angebot immer knapper wird und damit die Geldmenge nicht mehr ausreicht, um sich das gewünschte Produkt zu kaufen. Ein Beispiel hierfür ist der Goldpreis in Zeiten des Verfalls von Währungen. Das Gold wird dann immer teurer, während die Währung immer mehr an Kaufkraft verliert. Auch das könnte eine Folge der lockeren Geldpolitik der Central Bank und damit des Helicopter Moneys sein.
  3. Die schleichende, die galoppierende und die Hyperinflation:
    Diese Arten der Inflation beziehen sich auf die Geschwindigkeit, mit der die Inflation voranschreitet.
Die schleichende, die galoppierende und die Hyperinflation: Diese Arten der Inflation beziehen sich auf die Geschwindigkeit, mit der die Inflation voranschreitet. (#01)

Die schleichende, die galoppierende und die Hyperinflation: Diese Arten der Inflation beziehen sich auf die Geschwindigkeit, mit der die Inflation voranschreitet. (#01)

    • Die schleichende Inflation:
      Ist nicht viel schneller als das Inflationsziel, das die Central Bank für Europa ohnehin herausgegeben hat. Das liegt nämlich bei zwei Prozent, während sich die schleichende Inflation in einem Spielraum von ungefähr fünf Prozent aufhält.
    • Die galoppierende Inflation:
      Ist von einer schnelleren Geldentwertung gekennzeichnet. Diese Form der Inflation kann für die Volkswirtschaft zu einem echten Problem werden. Befürworter des Helicopter Moneys sollten also vorsichtig sein, dass sie mit ihren Maßnahmen unbeabsichtigt em Ende nicht genau das hervorrufen. Denn ist die galoppierende Inflation erst einmal im Gange, lässt sie sich so schnell nicht mehr aufhalten. Vergleichbar einem Pferd, das in vollem Galopp durchgeht.
    • Die Hyperinflation schließlich ist:
      Der Endpunkt dieser Entwicklung. Die Geldentwertung ist dabei so schnell, dass die Central Bank oder andere Banken kaum mit dem Drucken neuer Geldschein nach kommen. Wir kennen dieses Bild aus dem Jahr 1923 aus Deutschland. Damals war die Inflation so schnell und so umfassend, dass Menschen mit Schubkarren Geldscheine durch die Stadt fahren mussten, um sich beispielsweise ein Brot zu Am Ziel angekommen mussten sie nicht selten feststellen, dass die Geldscheine schon nicht mehr ausreichen, um sich ein Brot leisten zu können. Bei der Hyperinflation sind Preissteigerungen von 13000 Prozent pro Jahr keine Seltenheit. Befürworter des Helicopter Moneys sollten Vorschläge parat haben, wie sie verhindern wollen, dass es in Deutschland oder gar im gesamten Euro Raum wieder zu einer derart hohen Inflationsrate kommt. Denn diese extreme Geldentwertung bedeutet eine Menge Nachteile für die Bevölkerung.

Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Syda Productions -#01: Syda Productions

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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